Buch: Bankenunion stärken, Resilienz erhalten
Claudia Buch, Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsgremiums, fordert eine stärkere Integration der Bankenunion bei gleichzeitiger Wahrung der Resilienz. Dies ist die Antwort des Eurosystems auf die Konsultation zur Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors.
Bankenunion als einheitlicher Markt
Das Eurosystem unterstützt eine Reformagenda, die Integration fördert und gleichzeitig die Resilienz aufrechterhält.
Die Bankenunion sollte als einheitlicher Rechtsraum für die Finanzregulierung behandelt werden.
Dies erfordert eine Neuausrichtung der Bankenregeln von Richtlinien hin zu direkt anwendbaren Verordnungen und eine Harmonisierung relevanter Gesetze, etwa zu Insolvenzen oder Hypotheken.
Die Umsetzung der Kapitalmarktunion ist ebenfalls entscheidend, um Kapital und Liquidität innerhalb grenzüberschreitender Gruppen frei fließen zu lassen.
Derzeit erschweren etwa 130 Optionen und Ermessensspielräume in der Eigenkapitalverordnung (CRR) den grenzüberschreitenden Betrieb von Banken erheblich.
Eine Analyse der EZB zeigt, dass Hindernisse im Binnenmarkt einem Ad-valorem-Zoll von rund 95 Prozent entsprechen.
Die Vollendung der Bankenunion, insbesondere durch ein Europäisches Einlagensicherungssystem (EDIS), würde den Schutz für Einleger vereinheitlichen, die Risikoteilung verbessern und das Bank-Staats-Nexus weiter schwächen.
EDIS muss durch die Schließung verbleibender Lücken im Abwicklungsrahmen ergänzt werden, etwa durch einen Rahmen für Liquidität in der Abwicklung und die Ratifizierung des überarbeiteten ESM-Vertrags.
Resilienz als Fundament
Die nach der Finanzkrise eingeführten Reformen haben die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors erheblich gestärkt und das Vertrauen wiederhergestellt.
Die Kapitalisierung der Banken im Euroraum stieg von 12,7 Prozent im Jahr 2015 auf 16,1 Prozent im Jahr 2025, während die Verschuldungsquote auf 6 Prozent zunahm.
Auch die Liquiditätsniveaus sind komfortabel, und die Quote notleidender Kredite ist deutlich gesunken.
Diese Verbesserungen haben keine wesentlichen unbeabsichtigten Nebenwirkungen gezeigt; besser kapitalisierte Banken können mehr Risiken eingehen und mehr Kredite vergeben, insbesondere in Stresszeiten.
Langfristig sind die Effekte einer stärkeren Resilienz für das Wachstum eindeutig positiv.
Finanzkrisen hingegen verursachen lang anhaltende wirtschaftliche, soziale und fiskalische Kosten.
Angesichts erhöhter geopolitischer Risiken und begrenzter fiskalischer Spielräume zur Abfederung von Schocks ist die Aufrechterhaltung der Resilienz von entscheidender Bedeutung.
Die Kapitalanforderungen sind in den letzten zehn Jahren weitgehend stabil geblieben, wobei sich der Fokus auf freisetzbare makroprudenzielle Puffer verschoben hat.
Banken bleiben die wichtigste Finanzierungsquelle für europäische Unternehmen.
Integration: Mehr als nur ein Wunsch
Die Forderung nach einer stärkeren Integration der europäischen Bankenmärkte ist seit Jahren ein Mantra, doch die Fortschritte bleiben schleppend.
Trotz aller Bemühungen wirken nationale Interessen und regulatorische Hürden weiterhin als Bremsklötze für eine echte Bankenunion.
Die bloße Existenz eines 'Single Rulebook' garantiert keine einheitliche Anwendung, solange nationale Besonderheiten und Auslegungsspielräume bestehen bleiben.