Bank-Staats-Nexus geschwächt, Bankenunion sichert Fortschritt
Claudia Buch, Chefin der EZB-Bankenaufsicht, sieht den Bank-Staats-Nexus geschwächt. Um den Fortschritt zu sichern, sei die Vollendung der Bankenunion entscheidend.
Reformen wirken, aber Vorsicht bleibt
Fast zwei Jahrzehnte nach der globalen Finanzkrise hat sich der Bank-Staats-Nexus abgeschwächt und gibt derzeit keinen Anlass zu aufsichtsrechtlicher Besorgnis.
Die nach der Krise umgesetzten Reformen haben sich ausgezahlt.
Historisch gesehen zeigen Bankenkrisen, wie eng Bank- und Staatsbilanzen verknüpft sein können.
Schwache Banken belasten das Finanzsystem und das Wachstum, während hoch verschuldete Staaten das Bankensystem durch höhere Risikoprämien negativ beeinflussen können.
Das Aufbrechen dieses Nexus war daher ein Hauptziel der Finanzsektorreformen nach der Krise, besonders im Euroraum.
Zwei Faktoren haben den Nexus geschwächt: Erstens haben starke Regulierungs-, Aufsichts- und Abwicklungsbefugnisse die Wahrscheinlichkeit von Bankenausfällen reduziert und die Fähigkeit verbessert, mit diesen umzugehen.
Der Übergang von Rettungsaktionen zu Abwicklungen durch branchenfinanzierte Fonds ist hier entscheidend.
Zweitens haben sich die Bankbilanzen in den letzten zehn Jahren gestärkt, die Vermögensqualität hat sich verbessert, und die Banken sind besser kapitalisiert.
Dies reduziert die Schwere potenzieller zukünftiger Krisen.
Zwei Säulen für die Zukunft
Die Europäische Kommission überprüft den EU-Bankensektor, was eine Chance zur Festigung der Fortschritte bietet.
Zwei Schutzmaßnahmen sind entscheidend: Erstens, den institutionellen Rahmen beibehalten und stärken.
Dies impliziert hohe Standards in Regulierung und Aufsicht sowie das Schließen von Lücken im Abwicklungsrahmen durch die Vollendung der Bankenunion und die Einrichtung eines europäischen Einlagensicherungssystems.
Zweitens, die Widerstandsfähigkeit des Bankensektors selbst.
Das Risikoumfeld ist anspruchsvoller geworden; geopolitische Risiken haben sich materialisiert.
Die erreichte Widerstandsfähigkeit könnte getestet werden.
Heutige Schwachstellen sind komplexer als frühere länderspezifische Ungleichgewichte.
Engere fiskalische Spielräume der Staaten können deren Fähigkeit verringern, zukünftige Schocks abzufedern.
Daher benötigt der Finanzsektor eigene Stärke und Widerstandsfähigkeit, um zukünftige Risikoszenarien zu bewältigen.
Fortschritt ja, Entwarnung nein
Obwohl der Bank-Staats-Nexus derzeit keine akute Sorge bereitet, ist Buchs Mahnung zur Vollendung der Bankenunion hochrelevant.
Die Rede unterstreicht, dass strukturelle Schwächen im Finanzsystem auch ohne akute Krise angegangen werden müssen.
Nur so lässt sich verhindern, dass alte Probleme in neuen Krisen wieder virulent werden.