Buch: Bankenaufsicht muss wachsam bleiben
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Buch: Bankenaufsicht muss wachsam bleiben

Claudia Buch, Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsgremiums, betonte die praktischen Implikationen der Bankenregulierung für die europäische Aufsicht. Sie würdigte den Einfluss von Mathias Dewatriponts Arbeit auf die Finanzstabilität.

Theorie als Fundament der Aufsicht

Ein systematisches Konzept für die Bankenaufsicht entstand erst Mitte der 1990er Jahre.

Mathias Dewatripont und Jean Tirole lieferten mit ihrem Werk 'The Prudential Regulation of Banks' einen entscheidenden Rahmen.

Sie zeigten, dass Banken aufgrund ihrer Finanzierungsstruktur durch kleine, zerstreute Einleger ein strukturelles Governance-Problem aufweisen.

Diese Einleger können Banken nicht effektiv überwachen, was eine externe Autorität – die Aufsicht – erfordert.

Aufseher handeln im Namen der Einleger, um Risiken zu managen und bei Bedarf einzugreifen.

Kapital- und Solvenzanforderungen dienen dabei als Auslöser für Interventionen.

Diese theoretischen Erkenntnisse bilden heute die Grundlage der Kapitalstandards des Basler Ausschusses und der europäischen Aufsichtspraxis.

Als Vorsitzende des EZB-Bankenaufsichtsgremiums ist es unsere Kernaufgabe, im Namen der Einleger zu handeln und die Sicherheit und Solidität der Banken zu gewährleisten.

Lehren aus der Krise, Blick nach vorn

Mathias Dewatripont betonte in früheren Gesprächen die Notwendigkeit, Regulierung, Aufsicht und Abwicklung als kohärentes Anreizsystem zu sehen.

Die Aufsicht repliziert die disziplinierende Rolle der Einleger, indem sie einen glaubwürdigen Kontrollwechsel von Aktionären zu Aufsehern bei nachlassender Bankenleistung sicherstellt.

Er unterstützte eine risikoorientiertere Aufsichtskultur, warnte jedoch vor übermäßiger Komplexität.

Die EZB strafft daher die Bewertung interner Modelle, um sich auf relevante Risiken zu konzentrieren.

Nach den Bankenturbulenzen im März 2023 mahnte Dewatripont zur Wachsamkeit.

Die Widerstandsfähigkeit des Euroraum-Bankensektors sei kein Grund zur Selbstzufriedenheit, da sich Risiken ständig weiterentwickeln, insbesondere angesichts erhöhter geopolitischer Risiken.

Wachsamkeit als Dauerauftrag

Buch unterstreicht, dass die theoretischen Grundlagen der Bankenaufsicht zwar robust sind, aber ständiger Anpassung bedürfen.

Die jüngsten Turbulenzen zeigen, dass selbst ein widerstandsfähiger Sektor nicht immun gegen neue Risiken ist.

Ihre Rede ist ein klares Signal an Banken und Aufseher, dass Wachsamkeit und eine proaktive Risikobewertung der Dauerauftrag bleiben.