Elderson: Klima- und Naturrisiken erfordern Handeln
Frank Elderson, EZB-Direktoriumsmitglied, warnt vor den materiellen Auswirkungen von Klima- und Naturrisiken auf die EU-Wirtschaft. Er betont die Dringlichkeit von Maßnahmen für Finanzstabilität und Preisstabilität.
Klimawandel: Milliardenverluste und 'Fossilflation'
Der Klimawandel birgt bereits erhebliche Risiken für die EU-Wirtschaft.
Direkte Verluste an Infrastruktur und Vermögenswerten werden für den Zeitraum 1980-2024 auf 822 Milliarden Euro geschätzt, mit steigender Tendenz.
Als Beispiel nennt Elderson die intensiven Überschwemmungen in Slowenien im August 2023, die direkte Schäden in Höhe von 16 Prozent des BIP verursachten, sowie die schweren Überschwemmungen in Valencia 2024 mit einem regionalen Wohlstandsverlust von über 17 Milliarden Euro, was etwa 20 Prozent des regionalen BIP entspricht.
Darüber hinaus hat die 'Fossilflation' weitreichende Konsequenzen für Inflation und Geldpolitik.
Russlands Invasion der Ukraine trieb die Inflation im Euroraum im Oktober 2022 auf 10,6 Prozent, deren Auswirkungen bis ins vierte Quartal 2023 anhielten.
Die Energiekrise unterstreicht die Notwendigkeit einer beschleunigten Energiewende hin zu erneuerbaren Quellen, um Energieunabhängigkeit und Preisstabilität zu gewährleisten.
Naturzerstörung: Verborgene Risiken für Banken
Naturzerstörung birgt eigene, oft unterschätzte Risiken und verstärkt den Klimawandel.
Elderson betont die starke Verflechtung: Gesunde Ökosysteme sind essenziell für die Klimabegrenzung, während steigende Temperaturen die Natur schädigen.
Wirtschaftliche Schocks sind spürbar, wie jährliche landwirtschaftliche Produktivitätsverluste von 1,25 Milliarden Euro durch Bodenerosion.
Rund drei Millionen Unternehmen im Euroraum sind stark von Ökosystemdienstleistungen abhängig; 75 Prozent der Bankkredite sind an naturabhängige Unternehmen vergeben.
Wasserbezogene Risiken stellen die größte Gefahr dar: Eine 1-in-100-Jahre-Dürre könnte 24 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euroraums und 19 Prozent der Bankkredite gefährden.
Inaktivität ist keine Option
Die Herausforderungen durch Klima- und Naturrisiken sind immens, doch Untätigkeit ist keine Option.
Elderson verweist auf die 'beängstigenden Nachrichten' wie das Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze und den Verlust der Biodiversität, betont aber auch die Hoffnung durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien.
Zentralbanken und Aufsichtsbehörden müssen weiterhin handeln, wo Schwachstellen entstehen, Risiken steigen und die Resilienz schwindet.