Buch warnt vor systemischen KI-Risiken im Finanzsektor
Claudia Buch, Vorsitzende des EZB-Aufsichtsgremiums, warnt in einem Brief an MEP Fabio De Masi vor systemischen Risiken durch fortgeschrittene KI-Anwendungen im Finanzsektor. Die EZB-Bankenaufsicht hat KI-Risiken als Schlüsselpriorität für 2026-28 identifiziert.
Aufsicht priorisiert KI-Gefahren
Die EZB-Bankenaufsicht hat die Risiken durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) als zentrale Aufsichtspriorität für den Zyklus 2026-28 festgelegt.
Cyber- und operationelle Resilienz sind bereits seit 2020 Schwerpunkte.
Die EZB sammelte Informationen zu KI-Strategien und Anwendungsfällen von Banken, führte Dialoge zur Bewertung des Risikomanagements und der Governance-Strukturen und kooperierte mit der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und dem Europäischen Beirat für Künstliche Intelligenz.
Der Cyber-Resilienz-Stresstest der EZB 2024, Vor-Ort-Inspektionen und Penetration Tests halfen bei der Identifizierung von Schwachstellen.
Der Digital Operational Resilience Act (DORA) bietet einen regulatorischen Rahmen zur Verbesserung des IT- und Cyber-Risikomanagements.
Am 26. Mai 2026 veranstaltete die EZB ein Branchenevent zur Sensibilisierung und zum Austausch bewährter Verfahren.
Banken werden ermutigt, Szenarien mit KI-gesteuerten Cyber-Bedrohungen zu testen.
Die EZB unterstützt zudem internationale Gremien wie die G7 Cyber Expert Group und den Finanzstabilitätsrat (FSB) bei der Entwicklung eines globalen Governance-Rahmens für den verantwortungsvollen Einsatz von KI-Tools.
Makroprudenzielle KI-Gefahren
Die schnelle Einführung von KI im Finanzsektor birgt erhebliche makroprudenzielle Risiken für die Finanzstabilität, die die EZB aktiv überwacht.
Diese Risiken entstehen, wenn Finanzinstitute von wenigen Technologieanbietern abhängig sind.
KI kann zwar Effizienz und Risikoerkennung verbessern, aber auch bestehende Schwachstellen verstärken, falls viele Institutionen dieselben Modelle, Daten oder Infrastrukturen nutzen.
Systemische Risiken könnten sich manifestieren, wenn Ausfälle weit verbreiteter KI-Tools viele Unternehmen gleichzeitig betreffen oder die Abhängigkeit von wenigen Anbietern "Too-big-to-fail"-Externalitäten schafft.
Die EZB bewertet KI-Entwicklungen durch ihre Finanzstabilitätsüberwachung und makroprudenzielle Aufsicht, koordiniert mit europäischen, nationalen und internationalen Behörden.
Bisher wurden die verfügbaren makroprudenziellen Instrumente nicht als adäquate Antwort auf Cyberrisiken erachtet.
Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) und der FSB arbeiten aktiv an diesen Fragen.
Vorsicht ist die Mutter der Aufsicht
Die Antwort der EZB zeigt, dass die Aufsicht die potenziellen systemischen Risiken von KI ernst nimmt und proaktiv handelt.
Insbesondere die Abhängigkeit von wenigen Technologieanbietern birgt eine neue Dimension der Verwundbarkeit, die traditionelle makroprudenzielle Instrumente möglicherweise nicht vollständig abdecken.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer kontinuierlichen Anpassung der Regulierungs- und Aufsichtsrahmen an die rasante technologische Entwicklung.