Banken und Nichtbanken: Verborgene Risiken im Kreditmarkt
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Banken und Nichtbanken: Verborgene Risiken im Kreditmarkt

Patrick Montagner vom EZB-Aufsichtsrat warnt vor wachsenden, undurchsichtigen Risiken im Kreditmarkt. Die zunehmende Vernetzung von Banken und Nichtbanken verschleiert wahre Konzentrationsrisiken.

Verborgene Vernetzung im Kreditmarkt

Obwohl der Anteil der Banken an der Kreditvergabe in den letzten zehn Jahren gesunken ist, sind sie keineswegs aus dem Markt ausgeschieden.

Im Gegenteil: Banken und andere Finanzakteure sind zunehmend miteinander verknüpft, was Risiken auf weniger transparente und schwerer zu überwachende Weise verbreitet.

Banken beteiligen sich über verschiedene Kanäle an privaten Märkten, etwa durch Kredite an Private-Equity- und Private-Credit-Fonds oder die Bereitstellung von Kreditlinien für Portfoliounternehmen.

Dadurch behalten Banken erhebliche direkte Engagements und fungieren gleichzeitig als Intermediäre.

Eine explorative Überprüfung der EZB aus dem Jahr 2024 zeigte, dass Banken Transaktionen, bei denen sie gemeinsam mit Private-Credit-Fonds an dasselbe Unternehmen verleihen, nicht systematisch identifizieren können.

Dies führt dazu, dass Banken möglicherweise kein vollständiges Bild ihrer Gesamtexposition gegenüber einem einzelnen Kreditnehmer haben.

Konzentrationsrisiken können dadurch unterschätzt und falsch verwaltet werden.

Das kombinierte Engagement kann erheblich höher sein, als wenn jede Position isoliert betrachtet wird.

Datenlücken erschweren die Aufsicht

Bestehende Aufsichtsrahmen haben Schwierigkeiten, komplexe Instrumente zu erfassen, bei denen Risiken über mehrere Einheiten und Rechtsstrukturen hinweg geschichtet sind.

Datenlücken verhindern eine umfassende Risikobewertung, obwohl sich dies verbessert.

Die EZB hat mehrere Initiativen gestartet, um diese Lücken zu schließen.

Eine spezielle Überwachungsübung zu den Engagements der Banken in privaten Märkten zeigte die Herausforderung, geschichtete Leverage-Strukturen zu erfassen, bei denen die Kreditaufnahme an mehreren Punkten entlang der Investitionsketten erfolgt.

Eine explorative Szenarioanalyse zu Kontrahentenkreditrisiken offenbarte erhebliche Unterschiede in den Risikoprofilen der Banken.

Informationen zu Leverage auf Fondsebene, Portfoliozusammensetzung und Rückzahlungsstrukturen sind oft begrenzt.

Dies erschwert die Bewertung, wie sich Schocks im System ausbreiten könnten.

Risikoverteilung mit Tücken

Die Verlockung, private Marktprodukte an Kleinanleger zu vertreiben, birgt erhebliche Risiken, die über die Finanzstabilität hinausreichen könnten.

Die Komplexität und Illiquidität dieser Produkte machen sie für Anleger ohne ausreichende Ressourcen oder Verlusttragfähigkeit ungeeignet.

Daher ist eine Stärkung des makroprudenziellen Rahmens für Nichtbanken unerlässlich, um systemische Risiken durch verbesserte Daten und internationale Kooperation effektiv einzudämmen.