Montagner: Bankenunion stärkt Wettbewerbsfähigkeit
Patrick Montagner, Mitglied des EZB-Aufsichtsrats, fordert eine Vertiefung der Bankenunion, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken zu stärken. Er betont die Notwendigkeit robuster Aufsicht und die Lehren aus vergangenen Finanzkrisen.
Robuste Aufsicht als Lehre aus Krisen
Patrick Montagner betont die zentrale Rolle der Banken für die europäische Wirtschaft, wo der Inlandskredit über 90 Prozent des BIP ausmacht.
Ein schwerer Schock im Bankensektor hätte daher gravierende wirtschaftliche Folgen, da alternative Finanzierungsquellen über die Kapitalmärkte schwieriger zu finden sind.
Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer robusten, vorausschauenden Aufsicht.
Montagner verweist auf Lehren aus vergangenen Krisen, beginnend mit dem Bankhaus Herstatt 1974, die zur Gründung des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht führten.
Banken sind kritisch vom Vertrauen ihrer Einleger und Gläubiger abhängig.
Schwache Governance, unzureichendes Risikomanagement und Selbstgefälligkeit bei der Liquidität können dieses Vertrauen abrupt untergraben.
Die globale Finanzkrise 2007-09 zeigte zudem, wie schnell Schwächen grenzüberschreitend wirken und sich gegenseitig verstärken.
Zwei Hauptlektionen bleiben gültig: Eine leichte Aufsicht funktioniert nicht und hat in der Vergangenheit teuer versagt.
Fragmentierte Regeln und Aufsicht sind gefährlich, da sie zu schwächerer Überwachung von Risiken führen.
Erfolge und die Kapitalanforderungs-Debatte
Der seit 2008 aufgebaute Rahmen hat sich laut Montagner bewährt.
Die Kapitalpositionen der Banken haben sich gestärkt, und die Quote notleidender Kredite ist von 7,5 Prozent (2015) auf heute 1,9 Prozent gesunken.
Europäische Banken überstanden Pandemie, Energieschock 2022 und Marktspannungen 2023 ohne systemische Störungen.
Die Profitabilität erholte sich ebenfalls: Die Eigenkapitalrendite der Banken im Euroraum erreichte im vierten Quartal 2025 9,5 Prozent.
Montagner schlussfolgert, dass ein widerstandsfähiges Bankensystem auch profitabel sein kann.
Er warnt davor, die nach der globalen Finanzkrise eingeführten Vorschriften angesichts verblassender Erinnerungen an die Krise zu demontieren.
Die Annahme, europäische Banken seien durch systematisch strengere Kapitalanforderungen strukturell benachteiligt, wird durch jüngste EZB-Analysen und weitere Studien nicht gestützt.
Der wahre Hebel: Vollendung der Bankenunion
Montagner liefert eine klare Absage an die Deregulierungsrufe und eine unmissverständliche Forderung nach mehr Integration.
Er legt überzeugend dar, dass die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken nicht an zu hohen Kapitalanforderungen scheitert, sondern an der unvollendeten Bankenunion.
Die Betonung der Notwendigkeit, Kapital und Liquidität frei fließen zu lassen und einheitliche Regeln zu schaffen, ist ein längst überfälliger Appell an die Politik.