Montagner fordert tiefere Integration im EU-Bankensektor
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Montagner fordert tiefere Integration im EU-Bankensektor

Patrick Montagner vom EZB-Aufsichtsrat kritisiert die Fragmentierung des europäischen Bankensystems. Er fordert eine tiefere Integration und die Beseitigung von Barrieren, um die globale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Fragmentierung als interne Bremse

Die Fragmentierung der europäischen Volkswirtschaften und Finanzsysteme stellt ein erhebliches internes Hindernis dar.

Europäische Banken agieren unterhalb ihrer optimalen Größe, und grenzüberschreitende Kapitalallokationen sind durch unnötig komplexe Hürden erschwert.

Dies führt direkt zu höheren Kosten für Unternehmen und Haushalte.

Unterschiede in Verbraucherschutzgesetzen, der steuerlichen Behandlung von Finanzprodukten und nationalen Insolvenzrahmen tragen maßgeblich zu dieser Zersplitterung bei.

Auch Kernprodukte wie Hypotheken unterliegen länderspezifischen rechtlichen Anforderungen und Durchsetzungspraktiken, was die Verwaltung notleidender Kredite zusätzlich erschwert.

Banken müssen parallel existierende Regulierungssysteme navigieren, was Compliance-Funktionen dupliziert und die Kapital- und Liquiditätsverwaltung fragmentiert.

Erfolge als Ansporn für weitere Schritte

Trotz der Herausforderungen wurden bereits erhebliche Fortschritte bei der Harmonisierung der Aufsichtsregulierung erzielt, insbesondere durch die Europäische Bankenaufsicht.

Der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM) und der Einheitliche Abwicklungsmechanismus (SRM) sind echte Fortschritte, die ein hohes Maß an Integration und Raffinesse erreicht haben.

Diese Erfolge zeigen, dass Integration möglich ist, wenn der politische Wille vorhanden ist.

Montagner betont, dass die Hauptbarrieren für Kapital- und Liquiditätsflüsse innerhalb von Bankengruppen beseitigt werden müssen.

Regulierungsbehörden sollten Anforderungen überdenken, die Kapital und Liquidität auf Tochtergesellschaftsebene binden.

Banken sollten zudem die Umwandlung von Tochtergesellschaften in Zweigstellen, die sogenannte „Branchification“, prüfen.

Auch der Krisenmanagementrahmen für Banken und das Abwicklungsrahmenwerk erfordern weitere Entwicklung und die Schließung von Lücken, um eine wirklich gleiche Einlagensicherung in der gesamten Bankenunion zu gewährleisten.

Digitale Finanzinstrumente und der digitale Euro bieten zusätzliche Chancen zur Förderung der Integration.

Politischer Wille entscheidet über Europas Zukunft

Die Analyse ist eindeutig: Europa benötigt eine tiefere Finanzintegration, um Produktivitätswachstum zu fördern und seine wirtschaftliche Relevanz zu sichern.

Der Weg ist klar, doch es fehlt der politische Wille, die notwendigen Schritte zu unternehmen.

Dies ist keine Forderung nach schwächerer Regulierung, sondern nach stärkerer Integration, um globale Wettbewerbsfähigkeit zu ermöglichen.