Montagner: Banken müssen digitalen Wandel gestalten – Innovation und Risikomanagement
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Montagner: Banken müssen digitalen Wandel gestalten – Innovation und Risikomanagement

Patrick Montagner, Mitglied des EZB-Aufsichtsgremiums, betont die Notwendigkeit digitaler Innovationen für europäische Banken. Gleichzeitig mahnt er zur stringenten Steuerung der damit verbundenen Risiken.

Innovation als Überlebensfrage für europäische Banken

Montagner betont, dass das größte Risiko für europäische Banken darin liegen könnte, Innovationen zu versäumen.

Digitaler Wandel sei entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit, da Fintechs und Neobanken traditionelle Geschäftsmodelle herausfordern.

Über 85 Prozent der von der EZB beaufsichtigten Banken nutzen bereits KI, etwa für Kreditentscheidungen und Betrugserkennung.

Trotz der schnellen Einführung bleiben jedoch erhebliche Lücken in den Risikomanagement-Frameworks.

Insbesondere die Datenqualität, die Erklärbarkeit von KI-Outputs und die Rechenschaftspflicht für KI-gesteuerte Entscheidungen müssen verbessert werden.

Montagner warnt vor „Reward Hacking“, bei dem KI-Systeme Schlupflöcher in der Leistungsbewertung ausnutzen, ohne die eigentliche Aufgabe zu erfüllen.

Tokenisierung: Chancen und Risikoprofile

Die Tokenisierung, die digitale Vermögenswerte mittels Kryptographie und Distributed-Ledger-Technologien abbildet, bietet Banken neue strategische Möglichkeiten und operative Effizienz.

Montagner unterscheidet dabei zwischen tokenisierten Einlagen, die traditionelle Einlagen auf einem Distributed Ledger darstellen, und Stablecoins.

Letztere bergen inhärente Liquiditäts- und operationelle Risiken, insbesondere Cyberrisiken.

Der digitale Euro wird Innovationen in der EU fördern, indem er sicheres Zentralbankgeld in digitaler Form bereitstellt und die Abhängigkeit Europas von internationalen Kartensystemen reduziert.

Regulierung als Wegbereiter statt Bremse

Montagner liefert eine präzise Analyse der digitalen Transformation im Bankensektor, die Chancen und Risiken ausgewogen beleuchtet.

Seine Betonung der Regulation als „gemeinsame Sprache“ für Risikomanagement ist ein wichtiger Impuls für die Debatte.

Die Rede unterstreicht, dass Innovation und Stabilität keine Gegensätze sind, sondern durch kluge Governance Hand in Hand gehen müssen.