Montagner: EZB-Aufsicht wird effizienter – Resilienz bleibt Priorität
Patrick Montagner, Mitglied des Aufsichtsgremiums der EZB, erläutert in einem Interview die Ziele zweier EZB-Berichte. Diese fokussieren auf die Reform von Bankenregeln und die Effizienzsteigerung der Aufsicht.
Doppelter Fokus: Regeln und Prozesse
Die EZB veröffentlichte im Dezember zwei Berichte zur Bankenaufsicht.
Der erste, vom EZB-Rat initiierte, befasst sich mit der Überarbeitung von Bankenregeln.
Er betont die Notwendigkeit, die Resilienz des europäischen Bankensystems zu erhalten, die Harmonisierung der Regeln fortzusetzen und die internationale Zusammenarbeit, insbesondere durch den Basler Ausschuss, zu pflegen.
Ziel ist es, die Vorschriften zu überarbeiten, ohne die bestehenden Regulierungen aufzuweichen.
Der zweite Bericht, herausgegeben vom Aufsichtsgremium, trägt den Titel „Streamlining supervision, safeguarding resilience“.
Er konzentriert sich auf die Effektivität und Fokussierung der Aufsichtsprozesse nach zehn Jahren Erfahrung.
Im Gegensatz zum ersten Bericht, dessen Umsetzung von Vorschlägen der Europäischen Kommission abhängt, enthält der zweite konkrete, interne Maßnahmen, die ab 2026 schrittweise in Kraft treten.
Diese Maßnahmen sollen die Prozesse optimieren, Ressourcen besser nutzen und die Aufsicht auf die wesentlichsten Risiken konzentrieren.
Agile Aufsicht statt bürokratischer Last
Die Vereinfachung der Aufsicht, bereits unter Andrea Enria begonnen, kulminiert in der Überarbeitung des Supervisory Review and Evaluation Process (SREP).
Ziel ist eine agilere, risikobasierte Aufsicht mit kürzeren Bewertungszyklen und fokussierteren Schlussfolgerungen bis 2026. Die EZB legt Wert auf Vorhersehbarkeit, um Banken bei der Bewertung von Klima- und geopolitischen Risiken zu leiten.
Der EZB-Rat schlägt eine Vereinfachung der Kapitalpuffer durch Konsolidierung vor, ohne die Anforderungen zu senken.
Zudem wird eine Reduzierung der Berichtslast für kleine Institute befürwortet, um die Proportionalität zu wahren, ohne die Substanz der Aufsicht zu gefährden.
Aufsicht im Wandel: KI und Klima
Die EZB-Aufsicht vollzieht einen überfälligen Wandel hin zu mehr Pragmatismus und Effizienz, indem sie Prozesse verschlankt und KI vorantreibt.
Rechtssicherheit bei AT1-Kapital und die Überarbeitung von Stresstests sind sinnvolle Schritte, um die Aufsicht anzupassen.
Dies signalisiert eine konsequente Haltung, die Banken zu robusteren Risikobewertungen, besonders bei Klimarisiken, anhalten wird.
Quelle: Patrick Montagner: Interview with l’Agefi
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