Montagner: EU-Banken-Wettbewerbsfähigkeit entsteht aus Resilienz
Patrick Montagner, Mitglied des EZB-Aufsichtsgremiums, betont im MLex-Interview, dass die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Bankensektors aus seiner Resilienz resultiert. Er lehnt Forderungen nach niedrigeren Kapitalanforderungen ab.
Resilienz als Kern der Wettbewerbsfähigkeit
Für Patrick Montagner ist die Wettbewerbsfähigkeit des Bankensektors untrennbar mit seiner Resilienz verbunden – der Fähigkeit, die Wirtschaft auch in Krisenzeiten mit Dienstleistungen zu versorgen.
Er warnt davor, die Lehren aus der Finanzkrise 2008 zu vergessen.
Forderungen, Wettbewerbs- und Wachstumsziele in die Mandate der Aufsichtsbehörden zu integrieren, lehnt Montagner ab.
Er argumentiert, dass Wirtschaftswachstum aus Arbeitsmärkten, Investitionsanreizen und Innovation resultiert, nicht aus Bankenregulierung.
Auch die Idee, niedrigere Kapitalanforderungen an Kreditvergabebedingungen zu knüpfen, weist er zurück.
Kapital diene der Systemstabilität, nicht als Verhandlungsmasse für Dividenden oder Kredite.
Montagner verweist auf Umfragen, die zeigen, dass es in der EU keine Kreditrestriktionen gibt, die auf die Regulierung zurückzuführen wären.
Vergleiche mit US-Banken hinken
Der Vergleich zwischen EU- und US-Banken sei schwierig, so Montagner.
Er betont, dass es sich bei den Vergleichsobjekten oft um global systemrelevante Banken (G-SIBs) handelt, während regionale US-Banken nicht mit lokalen europäischen Instituten konkurrieren.
Zudem unterscheiden sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für Hypotheken, Insolvenzen und Steuern erheblich.
Die Kritik europäischer Banken konzentriere sich hauptsächlich auf bestimmte Marktaktivitäten, insbesondere solche, die unter die Fundamentale Überprüfung des Handelsbuchs (FRTB) fallen.
Hier müssten Wettbewerbsverzerrungen zwischen den größten G-SIBs erst noch nachgewiesen werden, ohne die Resilienz zu gefährden.
Montagner hebt hervor, dass es bei FRTB nicht nur um Kapitalanforderungen, sondern auch um Berichtspflichten geht.
Klartext aus der Aufsicht
Montagner liefert eine unmissverständliche Absage an die Forderungen des Bankensektors nach gelockerten Kapitalanforderungen und einer Ausweitung des Mandats.
Seine Argumentation, dass Resilienz und nicht Deregulierung die wahre Wettbewerbsfähigkeit fördert, ist konsistent mit der EZB-Linie.
Die Branche muss sich auf einen weiterhin robusten Regulierungsrahmen einstellen, auch wenn Prozessoptimierungen in Aussicht gestellt werden.
Quelle: Patrick Montagner: Interview with MLex
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