Montagner: Banken müssen physische Klimarisiken besser managen
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Montagner: Banken müssen physische Klimarisiken besser managen

Patrick Montagner vom EZB-Aufsichtsrat betont, dass physische Klimarisiken für Banken trotz Versicherungen weiterhin eine große Rolle spielen. Die Aufsicht fordert bessere Risikomanagement-Praktiken.

Aufsicht sieht Defizite bei Klimarisiken

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits 2020 klare Erwartungen an das Management physischer Klimarisiken formuliert, ergänzt durch EBA-Leitlinien.

Doch die Praxis hinkt hinterher: Eine thematische Überprüfung von 2022 zeigte, dass Banken physische Risiken weniger fortgeschritten managen als Übergangsrisiken.

Defizite gab es bei der detaillierten Identifizierung von Expositionen, der Nutzung zukunftsgerichteter Gefahrenbewertungen und der Integration in Kreditentscheidungen.

Der EZB-Klimastresstest 2022 bestätigte relevante Verluste in bestimmten Portfolios.

Seit 2023 erhöhen Säule-3-Offenlegungspflichten die Transparenz, doch die Fähigkeit der Banken, Verluste zu schätzen, bleibt begrenzt.

Rund 90 Prozent der Banken sehen sich materiell physischen Risiken ausgesetzt.

Grenzen der Versicherbarkeit

Versicherungen sind ein wichtiges Mittel zur Minderung physischer Risiken, insbesondere bei Immobilien als Kreditsicherheit.

Doch die Aufsicht stellt fest, dass die Abhängigkeit von Versicherungen allein nicht ausreicht.

Laut EIOPA sind nur etwa ein Viertel der klimabedingten Verluste in der EU versichert, mit großen nationalen Unterschieden.

Versicherungsverträge sind oft jährlich zu erneuern, während Kredite über Jahre oder Jahrzehnte laufen.

Dies schafft Unsicherheit über den Schutz über den gesamten Kreditzyklus hinweg, da die Sichtbarkeit von Verlängerungen oder geänderten Vertragsbedingungen für Banken oft begrenzt ist.

Auch die Verlässlichkeit staatlicher Unterstützung nach Naturkatastrophen nimmt ab.

Modelle hinken der Realität hinterher

Banken verbessern ihre Praktiken, indem sie Geodaten, Risikobewertungen und Versicherungsinformationen zentralisieren und standortspezifische Indikatoren integrieren.

Dennoch warnen Experten, dass aktuelle Modelle physische Risiken unterschätzen, da sie Kipppunkte oder sich verstärkende Ereignisse nicht berücksichtigen und Klimafolgen schneller eintreten als angenommen.

Die EZB-Bankenaufsicht wird diese Herausforderungen im Rahmen ihrer Prioritäten für 2026-28 weiter analysieren.