Machado: Synthetische Risikotransfers kein Nischenprodukt mehr
Pedro Machado, Mitglied des EZB-Aufsichtsgremiums, betont die wachsende Bedeutung synthetischer Risikotransfers (SRTs) in Europa. Er fordert einen robusten Regulierungsrahmen für diese Instrumente zur Kapitalentlastung.
Vom Nischenprodukt zum Bilanzmanager
Synthetische Risikotransfers (SRTs) sind kein Nischenprodukt mehr, sondern ein wachsender Mechanismus für Finanzinstitute zur Bilanzverwaltung und Kapitalfreisetzung.
Sie schaffen Kapazität für neue Kredite und unterstützen so die Realwirtschaft.
Im Wesentlichen handelt es sich um eine Garantie auf Kreditrisikotranchen eines Kreditportfolios, wobei die zugrunde liegenden Kredite in der Bankbilanz verbleiben.
Die EU hat sich bis Ende 2023 zum größten Markt für synthetische Verbriefungen weltweit entwickelt und repräsentiert die Hälfte des globalen ausstehenden Volumens.
Zwischen 2023 und 2025 verdoppelte sich das Volumen der SRT-Emissionen nahezu, und stieg von 2024 auf 2025 um rund 45 Prozent.
Dieser Boom erklärt sich durch die Kosteneffizienz im Vergleich zu traditionellen Verbriefungen und die Möglichkeit, Kapitalanforderungen zu senken.
Mikro-Evidenz aus dem Euroraum zeigt, dass SRTs zur Kapitaloptimierung über Portfolios hinweg genutzt werden, insbesondere für kapitalintensive Engagements.
Globale Standards und blinde Flecken
Internationale Reformen seit der Finanzkrise haben synthetische Risikotransfers einfacher und transparenter gemacht.
Basler Ausschuss und BIZ bestätigen, dass Risiken wie die Abhängigkeit von Nichtbanken zwar bestehen, aber aktiv gemanagt werden.
Beide betonen jedoch die Notwendigkeit kontinuierlicher Überwachung, insbesondere aufgrund von Offenlegungslücken und der Finanzierung von SRTs.
Die BIZ identifiziert Roll-over-Risiken, potenzielle Prozyklizität bei Rückzug von Nichtbank-Anbietern und Interkonnektivitätsrisiken.
Die EZB teilt diese Ansicht und fordert fortgesetztes Risikomonitoring, um systemweite Schwachstellen durch Hebeleffekte und Abhängigkeiten zu vermeiden.
Innovation mit Augenmaß
Die EZB hat einen Fast-Track-Prozess für einfache Verbriefungen eingeführt, der die Prüfungsdauer von drei Monaten auf acht Arbeitstage verkürzt.
Dieser Erfolg hängt jedoch von der Bereitschaft der Banken ab, standardisierte Strukturen zu nutzen.
Vereinfachung darf nicht auf Kosten von Transparenz oder Risikosensitivität gehen, um neue Schwachstellen zu vermeiden.