Machado: Bankenunion hakt an EDIS und Insolvenzrecht
Pedro Machado vom EZB-Aufsichtsrat sieht die europäische Bankenunion durch fehlende Einlagensicherung und divergierende Insolvenzgesetze behindert. Er betont die geringe direkte Exposition europäischer Banken gegenüber dem Iran-Krieg und die Notwendigkeit, geopolitische Risiken in Stresstests zu verankern.
Geringe direkte Kriegsrisiken, latente Energie-Sorgen
Die direkten Engagements signifikanter europäischer Banken in Israel und Iran sind laut Pedro Machado sehr gering: rund 0,7 Prozent des Common Equity Tier 1 (CET1) Kapitals auf der Aktivseite und 0,6 Prozent auf der Passivseite.
Selbst inklusive Nachbarländer wie die Türkei, wo europäische Banken einige Tochtergesellschaften haben, liegen die Engagements bei weniger als 1 Prozent der gesamten Vermögenswerte.
Machado verweist auf EZB-Chefvolkswirt Philip Lane, der die Auswirkungen steigender Energiekosten auf Inflation und potenzielle Rezession betonte.
Die Banken sollten geopolitische Ereignisse in ihrer Kapitalplanung und ihren internen Stresstests berücksichtigen, wie der geopolitische Reverse-Stresstest 2026 zeigt.
Die SSM überwacht zudem detailliert Fremdwährungsengagements und Liquiditätsrisiken, sieht aber derzeit keinen Stress bei der US-Dollar-Finanzierung.
EDIS-Lücke und Fragmentierung bremsen Integration
Die Europäische Kommission hat eine Konsultation zur Wettbewerbsfähigkeit von Banken gestartet, die sich mit den Hindernissen für eine Bankenunion befasst.
Machado identifiziert das Fehlen eines europäischen Einlagensicherungssystems (EDIS) als Hauptproblem, da es den Staats-Banken-Nexus verschärft und Ring-Fencing fördert.
Die sogenannte 'Branchification' könnte theoretisch die Fragmentierung überwinden, ist aber wegen hoher Kosten beim Wechsel nationaler Einlagensicherungssysteme und historisch gewachsener Geschäftsmodelle unattraktiv.
Grenzüberschreitende Hypotheken- und KMU-Kredite sind aufgrund unterschiedlicher Insolvenz-, Sicherheiten- und Eigentumsgesetze praktisch nicht existent.
Auch bei grenzüberschreitenden Fusionen spielen neben EDIS Unterschiede in der Besteuerung und Rechnungslegung eine Rolle.
Die Aufsicht bewertet Fusionen rein nach prudenziellem Ermessen, unabhängig von politischen Dimensionen.
Versteckte Risiken, menschliche Aufsicht
Machados Interview offenbart eine trügerische Ruhe im europäischen Bankensektor, wo trotz geringer direkter Kriegsrisiken strukturelle Schwächen fortbestehen.
Die Fragmentierung der Bankenunion und die Zunahme synthetischer Verbriefungen erfordern eine unnachgiebige Aufsicht, um latente Gefahren frühzeitig zu erkennen.
Ohne grundlegende Reformen und eine konsequente Durchsetzung der Regeln bleiben die Banken anfällig für den nächsten Schock.
Quelle: Pedro Machado: Interview with Reuters
IN: