Machado: Verbriefungs-Risiken erfordern schärfere Aufsicht
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Machado: Verbriefungs-Risiken erfordern schärfere Aufsicht

Pedro Machado vom EZB-Aufsichtsrat fordert eine schärfere Aufsicht über Verbriefungen. Er betonte in Lissabon die Notwendigkeit, Risiken bei synthetischen Verbriefungen anhand aktueller Daten zu antizipieren.

Synthetik-Markt wächst rasant

Pedro Machado vom EZB-Aufsichtsrat unterstreicht das rasante Wachstum synthetischer Verbriefungen.

Die Emissionen erreichten 2025 ein Volumen von 258 Milliarden Euro, ein Anstieg von 47 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 90 Prozent seit 2022.

Der Bestand an zugrunde liegenden Engagements stieg von 223 Milliarden Euro Ende 2022 auf 570 Milliarden Euro Ende 2025.

Diese Entwicklung unterstützt das EU-Ziel, die Verbriefungsmärkte wiederzubeleben, wofür die EZB grundsätzlich offen ist.

Ein gut strukturiertes Verbriefungsrahmenwerk kann das Wirtschaftswachstum fördern, sofern Banken die Kapitalentlastung zur Kreditvergabe an die Realwirtschaft nutzen.

Die Einführung des Rahmens für einfache, transparente und standardisierte Verbriefungen im Jahr 2021 hat sich als wirksam erwiesen, und ein noch in diesem Jahr erwartetes Legislativpaket könnte das Wachstum weiter ankurbeln.

Strukturelle Faktoren wie die Leverage Ratio, die keine Kapitalentlastung aus synthetischen Verbriefungen anerkennt, sowie das Refinanzierungsrisiko und die Marktaufnahmefähigkeit könnten das Wachstum jedoch begrenzen.

Risiken im Blick: Rollover, Gegenpartei, Flowback

Die Emissionen synthetischer Verbriefungen zeigten Anfang 2026 einen Abwärtstrend, beeinflusst durch das komplexe geopolitische Umfeld und steigende Absicherungskosten.

Als Reaktion darauf führte die EZB im Januar 2026 Fast-Track-Verfahren für Signifikante Risikotransfer-Verbriefungen (SRT) ein.

Dies ermöglicht eine schnellere Bearbeitung standardisierter Transaktionen, wobei die Aufsicht rigoros bleibt.

Bislang wurden nur zwei Transaktionen über diesen Prozess abgewickelt, die innerhalb von acht Arbeitstagen bewertet wurden.

Die EZB konzentriert sich auf drei Hauptrisiken: Rollover-Risiko (keine materielle Konzentration von Fälligkeiten), Gegenpartei-Kreditrisiko (unbesicherte Absicherung macht 11 Prozent aus, konzentrierter Markt) und Flowback-Risiko (synthetische Verbriefungen anfälliger, da Senior-Tranchen oft beim Originator verbleiben).

Insgesamt erscheinen die Risiken derzeit beherrschbar, doch weiteres Wachstum könnte diese Einschätzung ändern.

Standards setzen, solange die Sonne scheint

Zwei Faktoren erfordern besondere Aufmerksamkeit: das rasante Wachstum der Volumina, das die Verflechtungen mit dem Nichtbanken-Finanzsektor vertieft und Rückflussrisiken schafft, sowie die anhaltenden Datenlücken, die eine zuverlässige Risikobewertung erschweren.

Die Aufsicht muss proaktiv agieren, die Überwachung verbessern und Datenlücken schließen, um Risiken frühzeitig zu begegnen.

Es ist einfacher, Standards zu setzen, wenn der Markt gut funktioniert, als erst im Sturm zu reagieren.