SSM-Direktorin Donnery: Bankenunion unvollendet, Wettbewerb leidet
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SSM-Direktorin Donnery: Bankenunion unvollendet, Wettbewerb leidet

Sharon Donnery, Mitglied des Aufsichtsgremiums der EZB, betont die Notwendigkeit einer vollendeten Bankenunion für die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Sie warnt vor Fragmentierung und übermäßiger Komplexität im Bankensektor.

Wett­be­werbs­fä­hig­keit: Resilienz als Basis

Die Europäische Zentralbank (EZB) erkennt die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft als vitales Thema an.

Sharon Donnery, Mitglied des Aufsichtsgremiums der EZB, unterstreicht die breite Resilienz des Bankensektors, die nach der globalen Finanzkrise hart erarbeitet wurde.

Diese Widerstandsfähigkeit sei ein Wettbewerbsvorteil und müsse geschützt werden.

Donnery identifiziert jedoch unnötige Komplexität, die aus der Fragmentierung und der unvollendeten Bankenunion resultiert.

Der Draghi-Bericht habe dies bereits für den Binnenmarkt festgestellt.

Nationale Regeln und unterschiedlich umgesetzte Richtlinien erschweren die Harmonisierung.

Auch die Kapitalstruktur sei durch die Vielzahl an Puffern zu komplex.

Donnery sieht zudem Raum für eine Straffung des Meldewesens und effizientere Aufsicht, um die Robustheit der Banken in einem unsicheren Umfeld zu gewährleisten.

Bankenunion: Der Ruf nach Integration

Obwohl der Einheitliche Aufsichtsmechanismus (SSM) seit einem Jahrzehnt besteht, sind rund 80 Prozent der Kreditportfolios der Banken national gebunden, und grenzüberschreitende Einlagen machen nur 2 Prozent aus.

Ein integrierter Markt würde Verbrauchern und Unternehmen mehr Auswahl und potenziell günstigere Zinssätze bieten.

Europäische Banken mangelt es laut Donnery an Größe und Skalierbarkeit, insbesondere angesichts hoher Investitionen in die Digitalisierung.

Eine grenzüberschreitende Bankenstrategie könnte einigen Instituten helfen, die nötige Größe zu erreichen.

Donnery betont, dass der Sektor Banken unterschiedlicher Größe und Geschäftsmodelle benötige und die Aufsicht keine bestimmte Richtung vorgebe.

Die aktuelle Debatte über Wettbewerbsfähigkeit biete eine Chance, Themen wie das Europäische Einlagensicherungssystem und eine einheitliche Jurisdiktion neu zu bewerten und einen strategischen Fahrplan zu entwickeln.

Mandat und Risiken: Klare Prioritäten

Donnery lehnt ein 'zweites Mandat' für die EZB ab, um den Fokus auf Preis- und Finanzstabilität nicht zu verwässern.

Sie betont, dass neue Risiken wie Geopolitik und KI bestehende Kredit- und Liquiditätsrisiken verstärken.

Die spanischen Banken zeigen sich resilient, doch die Aufsicht bleibt auf Geschäftsmodelle fokussiert, nicht auf nationale Grenzen.

Quelle: Sharon Donnery: Interview with Expansión

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