Donnery: Binnenmarkt und Geschlechtergleichheit stärken Europa
Sharon Donnery, Mitglied des EZB-Bankenaufsichtsgremiums, betont die untrennbare Verbindung zwischen dem europäischen Binnenmarkt und Geschlechtergleichheit. Beide seien entscheidend, um Europas volles wirtschaftliches Potenzial zu entfalten.
Wirtschaftliche Integration als Friedensprojekt
Donnery erinnert an die Schuman-Erklärung vom 9. Mai 1950, die Europa durch „konkrete Errungenschaften“ aufbauen wollte, um Frieden zu sichern.
Sie zieht Parallelen zu einer Soroptimist-Redakteurin von 1939, die ebenfalls internationale Verständigung forderte.
Die Rednerin betont, dass Frieden nicht selbsttragend ist, sondern durch Kooperation und Solidarität gesichert werden muss.
Die europäische Integration nutzte oft die Wirtschaft für politische Ziele, wie die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl zeigte.
Auch die Gleichstellung der Geschlechter, bereits 1957 im Vertrag von Rom verankert, diente ursprünglich der Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen im gemeinsamen Markt, entwickelte sich aber zu einem umfassenderen Gleichheitsprinzip.
Irland ist hierfür ein Beispiel, wo die Abschaffung der „Ehe-Barriere“ für Frauen im öffentlichen Dienst 1973 durch den EU-Beitritt beschleunigt wurde.
Ungenutztes Potenzial im Binnenmarkt
Europas zentrale wirtschaftliche Herausforderung ist die Produktivität.
Der Binnenmarkt ist hier der stärkste Hebel.
Laut IWF entsprechen Binnenmarktbarrieren intern noch Zöllen von rund 44 Prozent für Waren und 110 Prozent für Dienstleistungen.
Eine Reduzierung auf US-Niveau könnte die langfristige Produktivität Europas um fast 7 Prozentpunkte steigern.
Für die Bankenaufsicht bedeutet ein integrierter Binnenmarkt auch mehr Effektivität, da nationale Unterschiede in der Regulierung weiterhin Komplexität schaffen.
Ein harmonisierter Rahmen würde den Kreditfluss effizienter gestalten und Banken Wachstum ermöglichen.
Ein tieferer Binnenmarkt erfordert auch tiefere Kapitalmärkte, um Ersparnisse in produktive Investitionen umzuwandeln.
Donnery betont, dass der Binnenmarkt auch menschlich gedacht werden muss: als Abbau von Barrieren für Chancen innerhalb der Gesellschaften.
Mehr als nur Fairness
Donnerys Rede positioniert Geschlechtergleichheit nicht nur als soziale Gerechtigkeit, sondern als entscheidenden wirtschaftlichen Faktor für Europas Zukunft.
Indem sie die Gleichstellung direkt mit der Vollendung des Binnenmarktes verknüpft, hebt sie deren politische Relevanz über traditionelle Debatten hinaus.
Diese Perspektive bietet ein überzeugendes Argument für integrierte Reformen und betont das ungenutzte Wachstumspotenzial Europas.