Einheitliche Strompreise lenken Rechenzentren in überlastete Netze
Josef Nasr und Thaddée Toulouse plädieren im Wirtschaftsblog der Banque de France für regionale Strompreiszonen. Einheitliche nationale Preise verdecken lokale Netzengpässe und begünstigen die Konzentration von Rechenzentren in bereits überlasteten Ballungsräumen.
Mehr Rechenleistung trifft auf Netzengpässe
Bis 2030 steigt der jährliche Strombedarf von Rechenzentren laut Prognosen in Europa um 45 TWh, in den USA um 240 TWh.
Die Internationale Energieagentur rechnet für die EU mit 440 GW zusätzlicher erneuerbarer Leistung.
Irland plant dennoch 2 GW zusätzliche Gaskraftleistung.
Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin bündeln drei Viertel der europäischen Rechenkapazität.
Eine Erhebung zählt dort 118 Rechenzentren im Bau.
Dublin beansprucht 20 Prozent der nationalen Stromproduktion; Netzanschlüsse dauern in Frankfurt und London bis zu zehn Jahre.
Den Netzausbau veranschlagt die Europäische Kommission auf 584 Mrd. Euro.
Nebenstandorte stellen nur 30 Prozent des Wachstums 2026.
In Sines stehen von Microsofts geplanten 1,2 GW erst 36 MW bereit; 180 MW sind im Bau.
Ein Landespreis verdeckt lokale Knappheit
Strom verursacht bis zu 60 Prozent der Betriebskosten von Rechenzentren.
Nationale Einheitspreise verdecken laut den Autoren lokale Transportengpässe.
Extremadura verbraucht nur 6 Prozent seines erneuerbaren Stroms selbst; im August 2025 wurden mindestens 402,6 GWh abgeregelt, während andernorts fossile Kraftwerke einsprangen.
Je drei 400-kV-Korridore führen nach Madrid, Portugal und Andalusien.
Deutschlands Redispatch kostete 2022 rund 4,2 Mrd. Euro.
Schwedens vier Preiszonen lenken seit 2011 Industrieprojekte in den wasserkraftreichen Norden.
Standortflexibilität statt zusätzlicher Netzlast
Die Autoren schätzen 54 Prozent des Strombedarfs als räumlich verlagerbar ein.
McKinsey ordnet für 2030 davon unabhängig 28 Prozent dem KI-Training, 43 Prozent der KI-Anwendung und 29 Prozent anderen Aufgaben zu.
Die Standortplanung muss laut Beitrag auch Kühlwasser, Effizienz, politische Grenzen und Datenlücken berücksichtigen.