Subjektive Unsicherheit entlarvt Fehler bei Inflationserwartungen
Wenn private Haushalte über ihre Inflationserwartungen unsicher sind, liegen sie tatsächlich deutlich ungenauer – vor allem bei Überschätzungen. Dies zeigt eine Studie der Banque de France auf Basis von fast einer Million Beobachtungen aus dem Euroraum und den USA.
Gespür für die eigene Unwissenheit
Paul Hubert und Rose Portier zeigen anhand von vier Erhebungen der EZB und der Federal Reserve, dass subjektive Unsicherheit bei privaten Haushalten ein verlässlicher Indikator für spätere Prognosefehler ist.
Wer mehr Unsicherheit angibt als üblich, liegt systematisch ungenauer.
Dieser Zusammenhang bleibt auch unter Berücksichtigung von individuellen und zeitlichen Fixeffekten stabil und gilt über alle demografischen Gruppen hinweg – unabhängig von Einkommen, Alter, Geschlecht oder Bildungsstand.
Bei professionellen Marktteilnehmern verschwindet dieses Muster hingegen vollständig, sobald Fixeffekte einbezogen werden.
Deren Unsicherheit spiegelt lediglich die allgemeine makroökonomische Volatilität wider, nicht das Bewusstsein für eigene Wissenslücken.
Verzerrter Blick nach oben
Besonders ausgeprägt ist der Effekt bei Überschätzungen: Erwarten Haushalte eine höhere Inflation als tatsächlich eintritt, prognostiziert ihre Unsicherheit den Fehler mindestens doppelt so stark wie bei Unterschätzungen.
Die Datengrundlage umfasst rund eine Million Einzelbeobachtungen aus den Verbraucherumfragen der EZB und der New Yorker Fed sowie den SPF-Umfragen beider Währungsräume.
Die Autoren führen die Asymmetrie auf verhaltensökonomische Verzerrungen zurück, da Haushalte inflationäre Signale überproportional stark wahrnehmen und extrapolieren.
Reales Warnsignal statt Rauschen
Zentralbanken dürfen die gefühlte Unsicherheit der Verbraucher nicht als statistisches Rauschen abtun.
Wenn die Bevölkerung zögert, verliert sie die Orientierung bei den Preisen, was Standardmodelle verzerrt.
Währungshüter sollten Umfragedaten daher deutlich differenzierter interpretieren.