Hohe Schulden erhöhen Kosten expansiver Fiskalpolitik
Eine neue Studie der Banque de France zeigt, dass hohe Staatsverschuldung die Transmission von Fiskalpolitik verschlechtert. Mehrausgaben erfordern demnach länger hohe Realzinsen, während geldpolitische Schocks davon unberührt bleiben.
Wenn die Staatsschulden zur Belastung werden
Das neue Working Paper der Banque de France analysiert anhand eines neukeynesianischen Modells, wie der bestehende Schuldenstand die Wirkung von Wirtschaftspolitik steuert.
Wenn Haushalte Staatsanleihen als Liquiditätspuffer zur Absicherung gegen individuelle Risiken nutzen, führt eine expansive Fiskalpolitik bei hoher Verschuldung zu massiven Problemen.
Da Anleihen bereits reichlich vorhanden sind, sinkt der zusätzliche Nutzen für die Absicherung.
Die Investoren verlangen geringere Risikoaufschläge, weshalb die Zentralbank den Realzins länger hoch halten muss, um den Anleihemarkt im Gleichgewicht zu halten.
Geldpolitik bleibt unabhängig von Schuldenstand
Im Gegensatz zur Fiskalpolitik zeigt sich die Transmission geldpolitischer Schocks weitgehend unbeeinflusst vom initialen Schuldenstand.
Eine Zinssenkung stimuliert die Wirtschaft und senkt die Schuldendienstkosten, ohne den Versicherungswert von Staatsanleihen signifikant zu verändern.
Da geldpolitische Maßnahmen alle Haushalte gleichermaßen treffen, bleibt die Vorsorgenachfrage nach Anleihen stabil, wodurch der Realzinskanal uneingeschränkt dominiert.
Ein blinder Fleck der Haushaltspolitik
Die Untersuchung liefert einen überzeugenden Erklärungsansatz für die unterschätzten Nebenwirkungen hoher Staatsschulden.
Methodisch überzeugt das Modell durch die präzise Einbindung von Vermögensungleichheiten und Liquiditätsprämien.
Dennoch bleibt abzuwarten, ob die theoretischen Effekte in realen Krisenphasen empirisch in dieser Schärfe messbar sind.