Reale Teuerung bei 0,8 Prozent, gefühlte bei 9,5 Prozent
Laut einer Befragung der Banque de France unter 4.000 Haushalten lag die gefühlte Inflation 2025 bei 9,5 Prozent, während die gemessene Rate auf 0,8 Prozent sank. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben an, ihre Kaufkraft habe sich seit Ende 2021 verschlechtert.
Acht Prozentpunkte Differenz
Die Teuerung in Frankreich fiel 2025 auf durchschnittlich 0,8 Prozent, nach 5,0 Prozent in den Jahren 2022 und 2023.
Dennoch verharrte die von Haushalten wahrgenommene Jahresinflation bei durchschnittlich 9,5 Prozent (Median 5,0 Prozent).
Die Lücke zwischen Messung und Empfinden verdoppelte sich damit gegenüber 2022 auf fast neun Prozentpunkte.
Zugleich gaben 75 Prozent der Befragten an, ihr Einkommen sei seit Ende 2021 nominal nicht gestiegen, obwohl die Reallöhne und das Pro-Kopf-Einkommen laut Statistik um rund 20 Prozent zulegten.
Infolge dieser Diskrepanz änderten 63 Prozent ihr Ausgabeverhalten dauerhaft: Über 90 Prozent von ihnen achten strenger auf Preise, 84 Prozent verzichten auf bestimmte Güter und 81 Prozent verschoben Anschaffungen.
Selektives Gedächtnis und teure Lebensmittel
Die Autoren Vincent Bignon und Erwan Gautier führen die Beharrlichkeit auf zwei psychologische Effekte zurück.
Erstens prägt der kumulierte Preisanstieg bei Nahrungsmitteln von rund 20 Prozent zwischen 2021 und 2025 das episodische Gedächtnis.
Zweitens zeigt sich eine ausgeprägte Verlustaversion: Preiserhöhungen nahmen bis zu 95 Prozent der Befragten wahr, während tatsächliche Preissenkungen wie beim Strom (-15 Prozent) von lediglich 5 Prozent registriert wurden.
Psychologie schlägt Statistik
Die Studie deckt eine gravierende Asymmetrie auf, die Notenbanken vor schwere Vermittlungsprobleme stellt.
Solange Bürger Preisrückgänge ignorieren und Ausgaben bremsen, greift klassische Zinspolitik ins Leere.
Eine rein statistische Beruhigung der Inflation genügt nicht, um das Konsumentenvertrauen wiederherzustellen.