374 US-Börsengänge deklassieren 55 europäische Neuemissionen
BDF Studie

374 US-Börsengänge deklassieren 55 europäische Neuemissionen

374 Börsengänge in den USA stehen nur 55 in der EU gegenüber: Die Banque de France beziffert im Oktober 2026 eine tiefe Kluft an den europäischen Aktienmärkten. Als Hauptursachen benennt die Notenbank zersplitterte Marktinfrastrukturen sowie ein massives Defizit bei Wagniskapital.

Milliardenschwere Kluft bei Neuemissionen

Im Jahr 2025 wurden in den USA 374 Börsengänge vollzogen, darunter 58 Mantelgesellschaften (SPACs).

Die EU zählte lediglich 55 IPOs und einen einzigen SPAC-Börsengang.

In den ersten drei Quartalen 2025 sammelten US-Börsenneulinge 49,6 Mrd. Dollar ein, während europäische Firmen lediglich 10,8 Mrd. Dollar erlösten.

Zudem weisen börsennotierte US-Unternehmen im Schnitt um das 3,32-Fache höhere Bewertungen auf als europäische Titel.

Das Durchschnittsalter beim Börsengang liegt im Euroraum bei 40,1 Jahren, in den USA hingegen bei 10,2 Jahren.

Eine Massenflucht fand laut Notenbank dennoch nicht statt: Über zehn Jahre verlegten lediglich zwei Prozent der europäischen Börsenfirmen ihre Erstnotiz in die USA.

34 Börsen gegen drei Handelsriesen

Europas Rückstand gründet vor allem auf struktureller Fragmentierung und geringerem Risikokapital.

Zwischen 2014 und 2023 flossen in der EU 89 Mrd. Euro in Wagniskapital, verglichen mit über einer Billion Euro in den USA.

Zudem verteilen sich europäische Wertpapiere auf 34 Börsen, 33 Zentralverwahrer und 20 zentrale Gegenparteien.

In den USA konzentriert sich der Handel dagegen auf drei Hauptplätze.

Die Folge sind um 65 Prozent höhere Wertpapierabwicklungskosten in Europa.

Bürokratie erstickt den Kapitalmarkt

Die Analyse entlarvt das europäische Börsendilemma als hausgemachtes Strukturversagen.

Kosmetische Prospektreformen helfen kaum, solange 34 getrennte Börsen die Liquidität ersticken.

Ohne eine echte Kapitalmarktunion wird Europa innovative Wachstumsbranchen dauerhaft an Amerika verlieren.

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