Zinssenkungen senken Ungleichheit kurzfristig, erhöhen sie später
Eine Studie der Banque de France zeigt, dass Zinssenkungen die Vermögensungleichheit zunächst mindern, sie aber nach drei bis sechs Jahren wieder verstärken. Anleihekäufe erhöhen die Ungleichheit nur vorübergehend, bevor der Effekt verschwindet.
Erst Gewinn, dann Verlust für die untere Hälfte
Die Ökonomen Alessandro Franconi und Giacomo Rella werten die Distributional Financial Accounts der USA aus.
Ihr zentraler Befund: Eine Zinssenkung lässt das Nettovermögen der unteren Hälfte der Haushalte kurzfristig um bis zu 10,3 Prozent steigen – ein Quartal nach dem Schock.
Nach sechs Jahren kehrt sich dieser Effekt jedoch um: Das Vermögen dieser Gruppe fällt um 12 Prozent unter den Ausgangswert.
Bei den reichsten 0,1 Prozent bleibt der anfängliche Gewinn kleiner, aber stabiler.
Anleihekäufe der Notenbank wirken anders: Sie heben das Vermögen der unteren Hälfte kurzfristig um 7,6 Prozent, doch der Effekt verschwindet binnen wenigen Jahren vollständig.
Häuser für die Armen, Aktien für die Reichen
Verantwortlich für die Kehrtwende ist der Immobilienmarkt: Nach einer Zinssenkung steigen zunächst Hauskäufe und Immobilienwerte, doch mittelfristig wächst die Hypothekenschuld schneller als der Vermögenswert.
Bei den reichsten Haushalten treiben stattdessen Unternehmensaktien und Investmentfonds die Vermögensentwicklung.
Auch andere Studien, etwa von Feilich (2023) und Bricker et al. (2025), bestätigen einen Anstieg der Ungleichheit im mittelfristigen Verlauf nach Zinssenkungen, wenn auch mit abweichenden Effektgrößen.
Wer zuerst gewinnt, verliert zuletzt
Die Studie entlarvt ein Paradox der Geldpolitik: Wer als Erstes profitiert, verliert am Ende am meisten.
Für Zentralbanken bedeutet das, dass kurzfristige Verteilungseffekte kaum aussagekräftig sind.
Wer Vermögensungleichheit ernst nimmt, muss den Hypothekenmarkt viel genauer im Blick behalten.
Quelle: Monetary Policy and the Wealth Distribution
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