Rote-Meer-Blockade kostet Ägypten 3,0 Prozent Realeinkommen
Eine Studie der Banque de France untersucht die Folgen gesperrter Seewege: Eine dauerhafte Schließung des Roten Meeres senkt das globale Realeinkommen kaum, kostet Ägypten wegen ausfallender Kanaleinnahmen aber 3,0 Prozent seines Realeinkommens.
Der Preis der Umwege
Die Analyse von Schiffspositionen und Zolldaten nach den Huthis-Angriffen ab November 2023 zeigt, dass der Verkehr durch das Rote Meer um zwei Drittel einbrach.
Der Seehandel betroffener Länder sank initial um über 10 Prozent, erholte sich aber binnen weniger Monate durch Umleitungen um das Kap der Guten Hoffnung.
Türkische Exportdaten belegen das Muster: Maritime Ausfuhren fielen drei Wochen nach dem Erstschlag um 5 Prozent, erholten sich aber innerhalb eines Quartals, während der Luftfrachtanteil dauerhaft um 1,4 Prozentpunkte stieg.
Bei einer dauerhaften Sperrung verlieren große Handelsnationen weniger als 0,02 Prozent Realeinkommen.
Ägypten verliert dagegen 3,02 Prozent – davon entfallen 2,76 Prozentpunkte direkt auf entgangene Einnahmen des Suezkanals.
Keine Ausweichroute für den Golf
Anders stellt sich die Lage an Nadelöhrs ohne Ausweichrouten dar, wie der Straße von Hormus.
Ein Transitzoll, der die Frachtkosten um 35 Prozent erhöht, lässt den Handel durch die Meerenge um 60 Prozent einbrechen.
Die Verluste konzentrieren sich vollkommen auf die Golfstaaten: Katar verliert 3,9 Prozent seines Realeinkommens, der Kuwait 2,7 Prozent und der Irak 2,5 Prozent.
Drittstaaten weichen auf andere Lieferanten aus und spüren kaum Effekte.
Die Einnahmen teilen sich Oman mit einem Einkommensplus von 12,2 Prozent und der Iran mit plus 1,5 Prozent.
Monopole tragen das eigene Risiko
Die Studie widerlegt das Mantra einer unschätzbaren Bedrohung des Welthandels durch Kanalblockaden.
Weil Betreiber die Route-Renten ohnehin als Monopolgebühr abschöpfen, tragen sie im Krisenfall das finanzielle Hauptrisiko selbst.
Für die Wirtschaftspolitik ist das ein beruhigendes Signal, solange liquide Ausweichrouten existieren.