Klimastresstest erhöht Zinsaufschlag bei neuen Kreditnehmern
Eine Studie der Banque de France und Bundesbank zeigt: Der Klimastresstest der EZB führt kaum zu höheren Zinsen bei Bestandskunden, lässt aber die Aufschläge für neue, CO2-intensive Kreditnehmer um rund 10 Basispunkte steigen. Die Banken steuern Risiken vor allem über die Portfolio-Auswahl.
Aufschlag an den Rändern des Portfolios
Mit Daten aus der AnaCredit-Datenbank analysieren Olivier de Bandt, David Nefzi und Johannes-Gabriel Werner im Working Paper #1059 die Folgen des EZB-Klimastresstests 2021/2022.
Im Aggregat verändert die Aufsichtsprüfung den Zusammenhang zwischen der Treibhausgasintensität von Firmen und den Kreditaufschlägen kaum.
Eine tiefere Zerlegung legt jedoch gegensätzliche Anpassungen offen: Bei Neukunden führt eine Erhöhung der CO2-Intensität um eine Standardabweichung zu einem um etwa 10 Basispunkte höheren Zinsaufschlag.
Gleichzeitig schichten teilnehmende Banken ihr Neugeschäft innerhalb des bestehenden Kundenstamms von CO2-intensiven zu emissionsarmen Unternehmen um.
Lerneffekt statt Kapitalzuschlag
Eine Anpassung der Zinskonditionen innerhalb fortlaufender Bank-Kunden-Beziehungen bleibt dagegen stark begrenzt.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Klimastresstests primär als Informations- und Überwachungsinstrument wirken: Sie schärfen das Risikobewusstsein der Banken und führen zu einer Umschichtung im Portfolio, selbst wenn keine direkten Eigenkapitalaufschläge für fossile Kredite verhängt werden.
Zudem zeigte die Teilnahme am anspruchsvolleren Bottom-up-Modul 3 der EZB im Vergleich zu den rein qualitativen Modulen keine deutlich stärkere Zinsreaktion der Institute.
Wirkungsvoll, aber kein Allheilmittel
Die Studie belegt, dass Aufsichtsinstrumente das Bankverhalten auch ohne Pufferaufschläge beeinflussen.
Allerdings verlagert sich der Anpassungsdruck nur auf Neukunden, während bestehende Kreditbeziehungen geschont werden.
Für eine wirksame Transformation der Realwirtschaft bleibt der reine Stresstest-Effekt daher zu zahnlos.