Engpässe bei Vorprodukten treiben Inflation deutlich länger
BDF Studie

Engpässe bei Vorprodukten treiben Inflation deutlich länger

Eine Studie der Banque de France unterscheidet drei Ursachen globaler Lieferkettenprobleme zwischen 1969 und 2025. Während Frachtengpässe nur vorübergehend wirken, treiben Ausfälle bei industriellen Vorleistungen die Inflation und Zinsen in den USA über Jahre an.

Zwei Schocks mit gegensätzlicher Fracht­preis­dy­na­mik

Die Ökonomen Moaz Elsayed, Christoph Grosse-Steffen und Magali Marx zerlegen Lieferkettenstörungen im neuen Global Supply Chain Tension Index (GSTIX) in drei Faktoren: Transportkrisen, Vorleistungsausfälle und nachfragegetriebene Überlastung.

Zwar verlängern beide Angebotsstörungen die Lieferzeiten, doch die Frachtpreise reagieren spiegelbildlich: Reine Logistikschocks verteuern Transporte, während Produktionsausfälle bei Vorleistungen die Frachtnachfrage dämpfen.

Bei der US-PCE-Inflation trugen 2021 beide Faktoren jeweils rund 1,7 Prozentpunkte bei.

2022 dominierte der Vorleistungsschock mit 1,8 Prozentpunkten, bevor sich die Frachtmärkte 2023 normalisierten und die Teuerung um 0,9 Prozentpunkte drückten.

Strukturelle Hürden in Pro­duk­ti­ons­netz­wer­ken

Methodisch stützt sich das SVAR-Modell auf 13 historische Ereignisse von der Schließung der Benguela-Bahn 1975 bis zur Krise im Roten Meer 2023.

Die Übertragung auf die US-Wirtschaft zeigt: Während Logistikstörungen wie klassische, kurzlebige Kostenschocks wirken, lösen schwer ersetzbare Zwischengüter anhaltende Kaskadeneffekte aus.

In der Folge sinken Lagerbestände und Industrieproduktion über mehrere Jahre, während Arbeitslosigkeit und Einjahres-Treasury-Renditen dauerhaft anziehen.

Lieferzeiten blenden die Geldpolitik

Einfache Lieferzeit-Indikatoren greifen für geldpolitische Entscheidungen zu kurz, da sie die wahre Ursache verschleiern.

Notenbanken verwechselten in der Pandemie das Abflauen von Frachtengpässen voreilig mit einer Entwarnung an der Preisfront.

Wer Zinspfade plant, muss zwischen flüchtiger Logistik und zähen Vorleistungskrisen trennen.

Quelle: The Sources of Global Supply Chain Tensions

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