EU Inc. vereinfacht Gründungen, lässt nationale Hürden bestehen
Ein optionales EU-Gesellschaftsrecht soll grenzüberschreitendes Wachstum erleichtern. Die Banque de France sieht im Kommissionsvorschlag EU Inc. jedoch begrenzte Einsparungen, rechtliche Unsicherheiten und Risiken nationaler Sonderregeln.
Digital gründen für 100 Euro
Die Europäische Kommission schlug am 18. März 2026 EU Inc. vor: ein freiwilliges Gesellschaftsrecht für haftungsbeschränkte Unternehmen jeder Größe, ob neu oder bestehend.
Anders als die Societas Europaea verlangt es kein Mindestkapital.
Gründungen sollen vollständig digital in unter 48 Stunden für höchstens 100 Euro erfolgen.
Bereits eingereichte Behördenangaben müssen Unternehmen nicht erneut vorlegen.
Vorgesehen sind virtuelle Versammlungen, schriftliche Beschlüsse und Anteilsklassen mit unterschiedlichen Stimm- oder Vermögensrechten.
Harmonisierte Aktienoptionen sollen Mitarbeiterbeteiligungen über Grenzen hinweg erleichtern und Besteuerungszeitpunkte vereinheitlichen.
Innovative Start-ups und Wachstumsunternehmen erhalten vereinfachte digitale Liquidationsverfahren.
440 Millionen statt umfassender Integration
Aude Chassaing, Elsa Lamy und Salomé Willer nennen vier Grenzen: geringe direkte Einsparungen, bis zu 27 nationale Varianten, eine umstrittene Rechtsgrundlage und Kontrollrisiken.
Die Kommission beziffert die Verwaltungseinsparungen für 308.000 EU-Inc.-Gesellschaften über zehn Jahre auf 440 Mio. Euro.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) veranschlagt für ein breiteres Regime 3,3 Prozent zusätzliches BIP binnen zehn Jahren.
Nationale Regeln und Gerichte bleiben relevant; Artikel 114 AEUV deckt Steuerfragen nicht ab.
Schnelle Verfahren bergen laut Beitrag Betrugs- und Geldwäscherisiken.
Harmonisierung bleibt an Bedingungen geknüpft
Der Beitrag knüpft den Erfolg an breite Nutzung und ergänzende Reformen der Spar- und Investitionsunion.
Die Banque de France zählt das 28. Regime zu ihren vier Prioritäten für diese Union.
Angestrebt sind die Verabschiedung Ende 2026 und das Inkrafttreten 2028.