Diskontierungskanal treibt Gleichlauf von Aktien und Anleihen
Unternehmensanleihen bieten bei hoher Inflation keinen verlässlichen Schutz vor fallenden Aktienkursen. Die Banque de France weist anhand von Daten von 2007 bis 2025 nach, dass der Diskontierungskanal beide Anlageklassen in denselben Takt zwingt.
Ein Emittent, zwei Anlageklassen
Die Ökonomen Linas Jurkšas und Julien Idier analysieren tägliche Renditen identischer Unternehmensemittenten aus fünf Kernländern des Euroraums, darunter 887 Anleihen französischer CAC40-Konzerne.
Mithilfe dynamischer bedingter Korrelationsmodelle (DCC) weisen sie nach, dass sich der Zusammenhang seit 2009 von negativen Werten (-0,35 in der Finanzkrise) schrittweise in Richtung Neutralität verschoben hat.
Steigende Inflationserwartungen und straffere geldpolitische Zinsen treiben die Korrelation nach oben: Für den Euroraum liegt der Regressionskoeffizient der Inflationserwartung bei 0,27 und des realen OIS-Satzes bei 0,15. Beide Anlageklassen reagieren parallel auf Abzinsungseffekte, wodurch Kursverluste bei Aktien und Anleihen gleichzeitig auftreten.
Gefesselte Notenbanken dämpfen Schutz
Der Schutzmechanismus einer Umschichtung in sichere Häfen greift nur bei niedriger Teuerung.
In einem Niedriginflationsumfeld senkt steigender Finanzstress die Korrelation um den Koeffizienten -0,0011, da Investoren Risiko abbauen und Zentralbanken lockern können.
Bei hoher Inflation entfällt diese Reaktion: Weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Mandat der Preisstabilität priorisieren muss, bleiben Zinssenkungen aus, sodass Anleihen Aktienverluste nicht mehr abfedern.
Gefährliche Illusion für Portfolios
Die Studie entlarvt die Annahme einer verlässlichen Absicherung durch Unternehmensanleihen als Fiktion.
Solange Zentralbanken gegen die Teuerung kämpfen, fungieren Anleihen in Schockphasen nicht als Puffer.
Risikomodelle mit starren negativen Korrelationen gehören daher auf den Prüfstand.