Pontes startet Abwicklung tokenisierter Werte in Zentralbankgeld
Das Eurosystem hat am 21. September die erste Phase des Abwicklungsdienstes Pontes gestartet. Die neue Lösung ermöglicht die Abwicklung von Transaktionen mit tokenisierten Finanzaktiva direkt in risikofreiem Zentralbankgeld über Distributed-Ledger-Technologie.
Brückenschlag zwischen DLT und Zentralbankgeld
Mit dem Start von Pontes setzt das Eurosystem einen zentralen Meilenstein bei der Integration von Distributed-Ledger-Technologien (DLT) in die europäische Finanzmarktinfrastruktur.
Der neue Dienst verbindet moderne Handelsplattformen für tokenisierte Wertpapiere mit der etablierten Infrastruktur für Zentralbankgeld.
Eine erste Gruppe aus Geschäftsbanken, Marktinfrastrukturbetreibern und DLT-Akteuren hat den Onboarding-Prozess bereits durchlaufen und kann Transaktionen nun unmittelbar in Notenbankgeld abwickeln.
EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone betonte, Pontes bringe „die Stabilität und das Vertrauen der Zentralbankwährung“ in den Markt für tokenisierte Vermögenswerte.
Vom Testbetrieb zum EU-Standard 2028
Der Produktivstart basiert auf umfangreichen Testläufen, die das Eurosystem im Jahr 2024 gemeinsam mit privaten und öffentlichen Marktteilnehmern durchgeführt hat.
Die Versuche bestätigten den Bedarf an einer sicheren, ausfallfreien Verrechnungsgrundlage für digitale Vermögenswerte.
Pontes fungiert dabei als Vorreiter für das Schwesterprojekt Appia.
Unter dieser Initiative erarbeiten Zentralbanken und Marktteilnehmer ein standardisiertes Referenzmodell für ein integriertes europäisches DLT-Finanzökosystem bis 2028.
Notenbankgeld verteidigt sein Monopol
Mit Pontes verteidigt das Eurosystem seinen Primat bei der finalen Zahlungsabwicklung.
Ohne die Anbindung an Zentralbankgeld wäre der Markt für tokenisierte Papiere unweigerlich zu unregulierten Stablecoins abgewandert.
Der Schritt war überfällig, um Europas Infrastruktur im globalen DLT-Wettlauf nicht abzuhängen.