Überschussersparnisse dämpfen Geldpolitik, verstärken Inflation
Überschussersparnisse verändern die Ausbreitung von Konjunkturzyklen. Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt, dass sie die Wirkung von Geldpolitik abschwächen, aber bei Kostenschocks die Inflation verstärken.
Ersparnisse verändern Schock-Wirkung
Der Bestand an Überschussersparnissen beeinflusst maßgeblich die Ausbreitung von Konjunkturzyklen.
Eine aktuelle Studie der Banca d'Italia belegt, dass diese Ersparnisse die Transmission geldpolitischer Schocks auf die reale Wirtschaftsaktivität und die Inflation deutlich schwächen.
Im Gegensatz dazu mildern Überschussersparnisse bei einem angebotsseitigen Kostenschock den Einfluss auf die Produktion, verstärken und verlängern jedoch die Weitergabe an die Inflation.
Diese Erkenntnisse sind besonders relevant für die Zyklusphase 2022-23 im Euroraum: Ein historisch hohes Niveau an Überschussersparnissen führte trotz stark gestiegener Energiepreise und beispielloser Leitzinserhöhungen zu robustem Wachstum und hartnäckig hoher Inflation.
Die Autoren betonen die Notwendigkeit, Bilanzbedingungen in die geldpolitische Bewertung und Kalibrierung einzubeziehen.
Vom Sparüberschuss zur Pandemie-Welle
Das Phänomen der Überschussersparnisse prägt den makroökonomischen Diskurs seit zwei Jahrzehnten, von Bernankes 'global savings glut' bis zur säkularen Stagnation.
Jüngst rückte es durch den außergewöhnlichen Vermögensaufbau der Haushalte in fortgeschrittenen Volkswirtschaften während der Pandemie wieder in den Vordergrund.
Großzügige fiskalische Unterstützung, eingeschränkte Konsummöglichkeiten und Vorsichtssparmotive führten zu einem Anstieg der Ersparnisse über das normale Maß hinaus.
Während die Rolle der Überschussersparnisse bei der geldpolitischen Transmission bereits Beachtung fand, war die Auswirkung auf die Propagation von Angebotsschocks bisher eine offene Frage.
Diese Lücke schließt die vorliegende Arbeit, indem sie die Rolle der Haushaltserparnisse bei der Gestaltung der Transmission von Energieschocks im Euroraum untersucht.
Bilanzdaten werden unverzichtbar
Die Studie liefert entscheidende Erkenntnisse für die Geldpolitik, da sie die Notwendigkeit betont, Bilanzbedingungen in die Analyse einzubeziehen.
Insbesondere die unterschiedliche Wirkung bei Nachfrage- und Angebotsschocks erfordert eine feinere Kalibrierung der Instrumente.
Ohne diese Berücksichtigung drohen Fehlinterpretationen der Transmissionsmechanismen.