Bilanz als geldpolitisches Instrument im 20. Jahrhundert
BDI Paper

Bilanz als geldpolitisches Instrument im 20. Jahrhundert

Die Zentralbankbilanz fungierte bereits im gesamten 20. Jahrhundert de facto als geldpolitisches Instrument. Das belegt eine historische Analyse der Banca d'Italia anhand von VAR-Modellen für die Jahre von der Gründung bis 1998.

Rolle der Notenbankbilanz im Wandel

Massimiliano Affinito analysiert in einem Occasional Paper der Banca d'Italia die Evolution der Zentralbankbilanz über einen Zeitraum von 104 Jahren bis 1998.

Mithilfe verschiedener VAR-Modelle untersucht die Studie, wie sich die Bilanz an makroökonomische Bedingungen anpasste und diese beeinflusste.

Die Ergebnisse zeigen bemerkenswerte Parallelen zu modernen unkonventionellen Maßnahmen.

So kontrahierte die Bilanz bei steigender Inflation und Währungsabwertung, während sie bei realem Wachstum und Staatsverschuldung expandierte.

Exogene Ausweitungen führten zu signifikanten Anstiegen von Output, Handel und Teuerung.

Damit funktionierte die Bilanz lange vor der globalen Finanzkrise als geldpolitisches Instrument.

Stabilität über Konjunkturzyklen hinweg

Der rolling-VAR-Ansatz offenbart, dass die Wirkungsrichtung der Bilanz über stark unterschiedliche wirtschaftliche Phasen des 20. Jahrhunderts hinweg konsistent blieb.

Dies widerlegt die Annahme, dass solche Maßnahmen nur in Krisenzeiten greifen.

Vielmehr zeigt sich, dass die Bilanzpolitik sowohl in normalen als auch in krisenhaften Perioden effektiv war.

Die Autoren betonen, dass das Fehlen moderner, effizienter Finanzmärkte in Teilen des Jahrhunderts diesen Mechanismus begünstigte.

Historischer Blick mit aktuellem Bezug

Die Untersuchung schließt eine wichtige Lücke in der historischen Makroökonomie.

Methodisch überzeugt die Kombination aus frequentistischen und bayesianischen VAR-Modellen.

Dennoch bleibt die Übertragbarkeit auf das heutige, hochkomplexe Finanzsystem begrenzt.