Diskretionäre Ausgaben treiben geldpolitische Transmission
Eine Studie der Banca d'Italia untersucht den privaten Konsum in Italien und zeigt, dass geldpolitische Schocks fast vollständig auf diskretionäre Ausgaben wirken. Die Verzögerung ist bei Dienstleistungen jedoch deutlich länger als bei Gütern.
Schnelle Güter, träge Dienste
Forscher der Banca d'Italia haben untersucht, wie die Zusammensetzung des Haushaltskonsums die Übertragung makroökonomischer Schocks in Italien prägt.
Die Analyse von Monatsdaten zeigt, dass die Reaktion des Konsums fast ausschließlich auf diskretionäre Ausgaben entfällt, während der Timing-Aspekt stark variiert.
Nach einem geldpolitischen Schock reagieren diskretionäre Güter relativ schnell und erreichen ihren Tiefpunkt nach etwa fünf Monaten.
Diskretionäre Dienstleistungen hingegen passen sich mit einer deutlich längeren Verzögerung an und erreichen ihr Minimum erst nach rund fünfzehn Monaten.
Dies erklärt sich durch Kreditfinanzierung bei Gütern sowie Gewohnheiten und Wechselfuhren bei Dienstleistungen.
Kaufkraftschocks wirken sofort
Im Gegensatz zu geldpolitischen Maßnahmen führen Energieschocks zu einer weitaus schnelleren Anpassung des Konsums.
Sowohl bei Gütern als auch bei Dienstleistungen wird der Tiefpunkt bereits nach knapp zwei Monaten erreicht.
Grund dafür ist der fast unmittelbare Verlust an Kaufkraft, den Haushalte direkt spüren.
Über die letzten zwei Jahrzehnte hat sich die Konsumstruktur in Italien zudem gewandelt: Der Anteil von Gütern ist zugunsten von Dienstleistungen zurückgegangen, während notwendige Ausgaben stabil blieben.
Überfällige Differenzierung im Modell
Die Studie liefert überzeugende Argumente für eine präzisere Modellierung der Geldpolitik.
Wer aggregierte Konsumdaten nutzt, unterschätzt die tatsächliche Wucht auf den Dienstleistungssektor gewaltig.
Zentralbanken müssen diskretionäre und notwendige Ausgaben künftig getrennt betrachten.