Geopolitische Schocks verstärken etablierte Bankrisiken
BDI Studie

Geopolitische Schocks verstärken etablierte Bankrisiken

Geopolitische Spannungen bilden keine eigene Risikokategorie, sondern wirken als Verstärker für Kredit-, Markt- und Liquiditätsrisiken im Bankensektor. Eine Analyse der Banca d’Italia modelliert diese Übertragungskanäle anhand eines erweiterten Strukturansatzes für Institute im Euroraum.

Endogene Re­fi­nan­zie­rungs­kos­ten im erweiterten Merton-Modell

Giancarlo Mazzoni überträgt den strukturellen Merton-Ansatz auf Bankbilanzen.

Ein geopolitischer Zustandsfaktor wirkt simultan auf Vermögenswerte, Verbindlichkeiten und Refinanzierungskosten.

Das Modell erfasst Aktiva differenziert nach Hypotheken, KMU-Krediten, Unternehmenskrediten, Wertpapieren und Liquidität.

Auf der Passivseite stehen Einlagen sowie Großkundenmittel.

In der Simulation mit drei Stressstufen sinkt die Vermögensdrift einer weniger bedeutenden Bank von 2,97 Prozent auf 1,94 Prozent, während die Volatilität von 3,82 Prozent auf 5,13 Prozent klettert.

Die physische Ausfallwahrscheinlichkeit steigt von 0,60 Prozent auf 4,14 Prozent, während jene einer bedeutenden Großbank von 0,15 Prozent auf 2,93 Prozent zulegt.

Indirekte Transmission bei kleineren Instituten

In der Aufsichtspraxis der Banca d’Italia schlägt geopolitische Unsicherheit indirekt durch.

Beim SREP 2025 für rund 100 weniger bedeutende Institute (LSIs) machten Zins- und Kreditrisiken über 90 Prozent der zusätzlichen Säule-2-Kapitalanforderungen aus.

Kleinere Institute weisen seit drei Jahren im Schnitt höhere Kapitalanforderungen auf als Großbanken (SIs).

Während Großbanken primär über Marktvolatilität und Refinanzierungsmärkte getroffen werden, absorbieren LSIs Schocks verzögert über lokale KMU-Engagements und Sektorkonzentrationen.

Szenarioanalyse schlägt Modellgläubigkeit

Der Verzicht auf ein separates Geopolitik-Silo bewahrt vor regulatorischem Wildwuchs.

Gegen fundamentale Unsicherheit helfen keine statischen Modelle, sondern nur rigorose Szenarioanalysen.

Für Regionalbanken entscheidet letztlich die disziplinierte Begrenzung von Klumpenrisiken über die Krisenfestigkeit.

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