Angebotsdruck dominierte Italiens Teuerungsschock bis Ende 2022
BDI Studie

Angebotsdruck dominierte Italiens Teuerungsschock bis Ende 2022

Bis Ende 2022 trieben vor allem Angebotsschocks wie Energiepreise zwei Drittel der italienischen Inflation, bevor Nachfragefaktoren gleichzogen. Ökonomen der Banca d'Italia belegen anhand von 52 Güterkategorien, dass Haushalte den Preisanstieg vor allem über höhere nominale Ausgaben abfederten.

Erst Energiepreise, dann Dienstleistungen

Anhand von 52 Konsumkategorien der Jahre 2014 bis 2024 schlüsseln die Autoren Donato Ceci, Francesco Corsello, Marco Fruzzetti und Matteo Izzo die italienische Inflationsdynamik auf.

Bis Ende 2022 erklärten angebotsseitige Verwerfungen infolge des Ukraine-Kriegs und explodierender Energiepreise fast zwei Drittel der Gesamtinflation.

Erst ab 2023 gewannen Nachfrageeffekte spürbar an Gewicht, insbesondere bei den Kernkomponenten und Dienstleistungen.

Während schnell reagierende Dienstleistungen wie Gastronomie und Reisen rasch anzogen und ab 2023 wieder nachließen, übertrugen trägere Sektoren den Kostendruck über verzögerte Lohnanpassungen bis Ende 2024.

In der aktuellen Kerninflation halten sich Angebots- und Nachfragefaktoren inzwischen weitgehend die Waage.

Geringe Preiselastizität bindet Budgets

Das geschätzte AIDS-Nachfragesystem belegt eine extrem unelastische Nachfrage nach Grundgütern: Die Preiselastizität für Nahrungsmittel liegt bei minus 0,20, für Kraftstoffe und Energie bei minus 0,90. Bei diskretionären Dienstleistungen beträgt sie hingegen minus 5,48. Da lebensnotwendige Güter eine Ausgabenelastizität unter eins aufweisen, schränkten Haushalte ihren realen Verbrauch kaum ein.

Stattdessen stieg ihr nominaler Budgetanteil dauerhaft über den langjährigen Durchschnitt, während die reale Umschichtung zu Freizeit und Konsumgütern nur sehr verzögert einsetzte.

Mikrodaten schlagen Makromodelle

Die Autoren widerlegen elegant makroökonomische Modelle, die den Energieschock simplifizierend als Nachfragephänomen einstufen.

Der mikroökonomische Ansatz beweist eindrücklich, wie stark unelastische Grundbedürfnisse das reale Budgetgefüge verzerren.

Für künftige geldpolitische Reaktionen ist dieser Nachweis unverzichtbar.

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