Fintechs setzen auf B2B und Integration statt Disruption
BDI Studie

Fintechs setzen auf B2B und Integration statt Disruption

Die weltweite Fintech-Branche wandelt sich von Angreifern zu Partnern traditioneller Banken. Laut einer Analyse von Antonia Manzini und Diego Scalise flossen 2023 fast 80 Prozent des Risikokapitals in B2B-Modelle, während Übernahmen durch etablierte Finanzkonzerne als dominanter Exit-Kanal fungieren.

Zahlungsverkehr dominiert, B2B zieht Risikokapital an

Von rund 35.000 erfassten Fintech-Unternehmen weltweit beschäftigen fast 82 Prozent weniger als 50 Mitarbeiter.

Nur sechs Prozent zählen mehr als 200 Beschäftigte.

Der Zahlungsverkehr stellt mit 40 Prozent das größte Einzelsegment dar, gefolgt von Vermögensverwaltung mit 23 Prozent, Krypto-Dienstleistungen mit 14 Prozent und Kreditvergabe mit 13 Prozent.

Parallel dazu verschiebt sich der Marktfokus: Rund zwei Drittel aller Neugründungen entfallen auf das B2B-Segment.

Dieser Trend spiegelt sich im Risikokapital wider, wo der B2B-Anteil von 50 Prozent im Jahr 2016 auf nahezu 80 Prozent im Jahr 2023 stieg.

Etablierte Banken agieren zunehmend als direkte Investoren und strategische Käufer, da Börsengänge und SPAC-Transaktionen als Exit-Kanal fast vollständig zum Erliegen kamen.

Starke Ballung in Finanzzentren und Amerika

Geografisch beherbergt der amerikanische Kontinent knapp die Hälfte aller Fintechs sowie über 75 Prozent der weltweiten Mega-Deals.

Zudem konzentrieren sich über 55 Prozent der Unternehmen in den nationalen Finanzmetropolen wie Dublin, Amsterdam oder Zürich.

Finanzzentren mit überdurchschnittlicher Bankendichte weisen viermal mehr Fintechs auf als schwächere Standorte.

In Italien sank die Zahl der Initiativen laut Mailänder Fintech-Observatorium von 622 im Jahr 2023 auf 485 Ende 2025.

Laboratorien statt Bedrohung

Die befürchtete Disruption des Bankensektors weicht einer stillen Symbiose.

Start-ups fungieren faktisch als ausgelagerte Entwicklungslabore für etablierte Konzerne.

Die Aufsicht muss daher weniger neue Konkurrenten als vielmehr wachsende Verflechtungsrisiken überwachen.

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