Tokenisierte Einlagen und EMTs sind ökonomisch gleichwertig
BDI Studie

Tokenisierte Einlagen und EMTs sind ökonomisch gleichwertig

Laut einer Analyse der Banca d'Italia von Giuseppe Ferrero und Federico Guerra bestimmen nicht Netzwerke, sondern Inhabereigenschaften das Systemrisiko digitaler Gelder. Bankausgegebene EMTs und tokenisierte Inhabereinlagen seien ökonomisch gleichwertig.

Inhaberstruktur hebelt den Nennwert aus

Für die Finanzstabilität digitaler Währungen ist laut Giuseppe Ferrero und Federico Guerra nicht die Blockchain entscheidend, sondern die rechtliche Konstruktion.

Namensgebundene tokenisierte Einlagen verbleiben im bestehenden zweistufigen Bankensystem, siedeln über Zentralbankgeld ab und behalten den Schutz der Einlagensicherung bis 100.000 Euro.

Im Gegensatz dazu zirkulieren Inhaberinstrumente wie EMTs und übertragbare Einlagen unabhängig von der Bankbilanz auf Sekundärmärkten.

Dort drohen Kursabschläge vom Nennwert, da Abwicklungsfristen je nach Emittent zwischen Echtzeit und über zwanzig Geschäftstagen schwanken.

Können Banken die Inhaber nicht lückenlos identifizieren, greift aufsichtsrechtlich eine Abflussrate von 100 Prozent bei der Liquiditätsdeckungsquote.

Fehlender Rechtsrahmen öffnet Arbitragefenster

Während MiCAR E-Geld-Token streng reguliert und deren Verzinsung verbietet, fehlt in der Europäischen Union bislang ein einheitlicher Rahmen für tokenisierte Bankeinlagen.

Diese Lücke verletzt den Grundsatz „gleiche Aktivität, gleiches Risiko, gleiche Regulierung“.

Zudem verschärft die MiCAR-Pflicht für E-Geld-Institute, 30 bis 60 Prozent der Reserven als Bankeinlagen zu halten, Liquiditätsengpässe im Bankensektor.

Großbritanniens Notenbank wählt einen anderen Pfad: Sie verlangt für systemische Stablecoins eine 40-prozentige Reserve direkt bei der Bank of England.

Regulierung schlägt Programmiercode

Die Autoren entzaubern den Mythos, dass Technologie Finanzstabilität automatisch verbessert.

Wer übertragbare Token ohne Zinsverbot duldet, schafft gefährliche Schlupflöcher für Aufsichtsarbitrage.

Brüssel muss diese Lücke rasch schließen, bevor unregulierte Bank-Token das System destabilisieren.

Fehler melden