DeepSeek traf Chips, Kimi K3 trifft Chinas KI-Labore
Banca-d'Italia-Ökonom Marco Taboga vergleicht die Marktreaktionen auf DeepSeek R1 vom Januar 2025 und Kimi K3 vom Juli 2026. Während DeepSeek die Chip-Lieferkette erschütterte, traf es bei Kimi K3 vor allem chinesische KI-Labore wie Zhipu AI mit minus 35,1 Prozent.
Ein Preisschock, ein Konkurrenzschock
DeepSeek R1 erschien am 20. Januar 2025 als offenes Modell mit 671 Milliarden Parametern und kostete mit 0,55 beziehungsweise 2,19 Dollar pro Million Token-Ein- und Ausgaben ein Bruchteil der Konkurrenz von OpenAI oder Anthropic.
Die behaupteten Trainingskosten von nur rund 5,6 Millionen Dollar lösten einen Ausverkauf in der Chip-Lieferkette aus: NVIDIA verlor 17,0 Prozent, der Halbleiterindex SOX 9,1 Prozent.
Kimi K3 von Moonshot AI folgte am 16. Juli 2026 mit 2,8 Billionen Parametern, platziert jedoch zu Frontier-Preisen von 3,00 und 15,00 Dollar pro Million Token.
Diesmal blieben Chipwerte vergleichsweise stabil (NVIDIA minus 4,6 Prozent), während die chinesischen Labore Zhipu AI (minus 35,1 Prozent) und MiniMax Group (minus 17,1 Prozent) die größten Verluste verzeichneten.
Burggräben statt offener Gewichte
Taboga vergleicht die Episode mit der Open-Source-Diffusion der Neunzigerjahre: Freie Software verdrängte kommerzielle Anbieter nicht, sondern verschob Gewinne zu Infrastruktur, Vertrieb und Kundenbindung.
Ähnlich bleiben US-Anbieter durch Bundling, Wechselkosten, proprietäre Daten und vertragliche Garantien geschützt, selbst wenn chinesische Labore offene Gewichte veröffentlichen.
Laut einer zitierten OpenRouter-Studie verarbeiteten geschlossene Modelle im Jahr 2025 rund 80 Prozent aller Token, obwohl offene Modelle rund 90 Prozent ihrer Leistung erreichten.
Der Leaderboard-Irrtum
Die Studie entlarvt die Marktpanik als Fehladressierung: Nicht das Modell entscheidet, sondern wer Vertrieb und Daten kontrolliert.
Dennoch bleibt die Evidenz spekulativ, da Gewinnsaison und geopolitische Schocks das Fenster überlagerten.
Für Investoren zählt die Eigentümerschaft der Komplemente mehr als jeder Leaderboard-Platz.