Vergabeklagen verdoppeln die Vergabezeit auf 240 Tage
BDI Studie

Vergabeklagen verdoppeln die Vergabezeit auf 240 Tage

Verwaltungsstreitigkeiten verlängern die Vergabe italienischer öffentlicher Aufträge um über 35 Prozent und verzögern Baustarts. Eine Studie von Enza Maltese und Gabriele Rovigatti für die Banca d’Italia analysiert dazu 830.000 Verfahren der Jahre 2023 bis 2025.

Verdoppelte Wartezeit bis zum Zuschlag

Zwischen 2023 und 2025 wurden zwar nur 0,4 Prozent der knapp 830.000 Ausschreibungen angefochten, diese machten jedoch 7,2 Prozent des Gesamtwerts oder 90,9 Milliarden Euro aus.

Das administrative Klagerisiko konzentriert sich auf Großaufträge über 5 Millionen Euro und offene Verfahren.

Eine Klage verdoppelt die durchschnittliche Vergabezeit von 122 auf etwa 240 Tage.

Bei öffentlichen Bauarbeiten führt ein Rekurs zu rund 174 zusätzlichen Tagen bis zum Zuschlag und verzögert den Baubeginn um 77 Tage.

Über 90 Prozent des Streitwerts betreffen Einsprüche gegen die Ausschreibung selbst (39 Prozent), die Vergabeentscheidung (37 Prozent) oder den Bieterausschluss (18 Prozent).

Flucht in die Direktvergabe

Ein erster Rechtsstreit verändert das Verhalten der Vergabestellen spürbar.

Behörden reduzieren ihre Bauausschreibungen um rund 30 Prozent und das gesamte Vergabevolumen um 60 Prozent.

Zugleich bricht der Anteil offener Verfahren um mehr als 40 Prozent ein, während freihändige Direktvergaben um sechs Prozentpunkte zulegen.

Diese Ausweichreaktion prägt besonders leistungsschwache Kommunen: Bei ihnen dauern verbleibende Wettbewerbe aus administrativer Vorsicht knapp 58 Tage länger, wohingegen kapazitätsstarke Verwaltungen die Schockwirkung abfedern.

Rechtsschutz mit lähmenden Nebenwirkungen

Der juristische Rechtsschutz sichert zwar faire Verfahren, bremst das öffentliche Bauen jedoch empfindlich aus.

Die Flucht verängstigter Kommunen in Direktvergaben untergräbt dabei den Wettbewerb und verzerrt die Vergabe.

Das System erstickt an eigener Vorsicht, solange die administrative Kompetenz vor Ort fehlt.

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