KI-Produktivitätsschub spaltet Inflationspfad im Euroraum
BDI Studie

KI-Pro­duk­ti­vi­täts­schub spaltet Inflationspfad im Euroraum

Ein Produktivitätsschub durch künstliche Intelligenz wirkt je nach Adoptionsgeschwindigkeit disinflationär oder treibt die Teuerung. Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen der Banca d’Italia in einer Neukeynesianischen Modellsimulation für das Euro-Währungsgebiet.

Tempo der Adoption entscheidet über Teuerung

Die Autoren Lucia Esposito, Andrea Fabiani, Elia Moracci, Andrea Papetti und Massimiliano Pisani analysieren vier KI-Szenarien im Euroraum.

Tritt ein Produktivitätssprung abrupt ein, eilt das Angebot der Nachfrage voraus und dämpft die Inflation.

Breitet sich die Technologie hingegen graduell aus oder steigen die Investitionen, überwiegt die Gesamtnachfrage und erzeugt Preisdruck.

Erhöht ein KI-Schub das Trendwachstum um 0,3 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent, steigt der reale Gleichgewichtszins von 1,4 auf 1,7 Prozent.

Eine Zentralbankpolitik, die ihren Zins überstürzt an diesen fernen Endwert anpasst, erzeugt jedoch spürbare Wohlstandsverluste und drückt die Wirtschaft in eine Übergangsrezession.

Realer Preisdruck statt Phantomjagd nach r-Stern

Die Studie greift die Debatte führender US-Notenbanker auf.

Während Ökonomen wie Kevin Warsh auf disinflationäre Produktivitätsgewinne analog zu den 1990er-Jahren setzen, warnen Philip Jefferson und Michael Barr vor einem frühen Nachfrageschub.

Weil der natürliche Zins nicht direkt messbar ist und im Übergang schwankt, empfehlen die Autoren eine veränderte Taylor-Regel: Statt auf unsichere Modellschätzungen des langfristigen Gleichgewichtszinses zu setzen, stabilisiert eine stärkere Reaktion auf die laufende Inflation Beschäftigung und Preise deutlich verlässlicher.

Pragmatismus schlägt Modelltheorie

Die Studie entlarvt Hoffnungen auf rasche Zinsentlastungen durch KI als Illusion.

Da das reale Tempo der Adoption unberechenbar bleibt, taugt der theoretische Gleichgewichtszins kaum als Richtschnur.

Notenbanken müssen sich an harte Inflationsdaten halten, statt voreilig auf Produktivitätsversprechen zu wetten.

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