Italiens Tariflöhne verlieren seit 2000 real 1,3 Prozent
BDI Studie

Italiens Tariflöhne verlieren seit 2000 real 1,3 Prozent

Italiens tarifliche Mindestlöhne stiegen von 2000 bis 2025 nominal um 61,2 Prozent, sanken aber real um 1,3 Prozent. Eine am 13. Oktober 2026 veröffentlichte Studie der italienischen Zentralbank führt den Kaufkraftverlust vor allem auf die Inflation 2021–2023 zurück.

Dienstleistungen verlieren, Industrie gewinnt

Giulia Bovini, Raffaella Nizzi und Gaetano Basso analysieren 50 Tarifverträge der italienischen Zentralbank (Banca d’Italia) für den privaten Sektor ohne Landwirtschaft.

Sie deckten 2024 rund 74 Prozent der Beschäftigten ab: 80 Prozent in privaten Dienstleistungen und 64 Prozent in der Industrie.

Von 2000 bis 2025 sanken die tariflichen Mindestlöhne in Dienstleistungen real um 5,9 Prozent; in der Industrie stiegen sie um 4,3 Prozent.

Vertragsverlängerungen verzögerten sich durchschnittlich um 22 beziehungsweise 6 Monate.

Der Anteil der Abschlüsse mit mindestens drei Monaten Verzögerung stieg von 61 Prozent 2000–2004 auf 86 Prozent 2020–2025.

Zwischen Lohnanpassungen lagen zuletzt 16 statt zuvor 11 Monate.

In 56 Prozent der Abschlüsse vereinbarten die Tarifparteien Einmalzahlungen.

In­fla­ti­ons­aus­gleich mit zeitlicher Lücke

Seit 2009 orientieren sich Tarifabschlüsse am erwarteten harmonisierten Verbraucherpreisindex ohne importierte Energie.

Nachträgliche Korrekturen sind meist Verhandlungssache; abgelaufene Verträge gelten weiter.

Das Gesetzesdekret 62/2026, umgewandelt durch Gesetz 112/2026, sieht ohne abweichende Vertragsregel nach neun Monaten eine automatische Lohnanpassung als Vorschuss vor: 50 Prozent der Indexänderung.

Die tatsächlichen Bruttolöhne stiegen 2000–2025 um fast 60 Prozent und sanken real um 2,5 Prozent.

Das Modell für 2000–2024 erklärt bis zu 45 Prozent der Variation der Lohndrift.

Ausgleich bleibt unvollständig

Nach Einschätzung der Autoren begrenzt das flexible Tarifsystem Lohn-Preis-Spiralen, verzögert aber den Kaufkraftausgleich.

Dezentrale Lohnvereinbarungen kompensieren ausbleibende Tariferhöhungen nur teilweise.

Für Lohnprognosen nennen sie deshalb auch den Vertragsstatus und die Zusammensetzung der Beschäftigten.

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