Gerichtswechsel bremsen Verfahrensdauer und stärken Kreditvergabe
Führungswechsel an italienischen Gerichten bremsen das Wachstum der Insolvenzverfahrensdauer und erhöhen die Kreditvergabe. Das zeigt eine am 13. Oktober 2026 veröffentlichte Studie der italienischen Zentralbank (Banca d’Italia) für 2015–2022.
Langsamere Verzögerung, mehr Kredite
Franco Fiordelisi, Davide Moretti, Nazzareno Ruggiero und Konstantinos Baltas untersuchen 140 italienische Gerichte.
Nach einem Präsidentenwechsel liegt das jährliche Wachstum der Dauer von Insolvenzliquidationen im ersten Jahr um 6,8 Prozentpunkte niedriger als in der Kontrollgruppe, im vierten um 15,5 Punkte.
Das bedeutet keine automatische Verkürzung der Verfahren; für andere Verfahrensarten finden die Autoren keine statistisch gesicherten Effekte.
In bestehenden Bank-Firmen-Beziehungen steigt das kurzfristige Kreditangebot um rund 7 Prozent.
Die Wahrscheinlichkeit neuer Kreditbeziehungen steigt um 0,9 Prozentpunkte gegenüber einem Ausgangswert von 13,5 Prozent.
Zahlungsverzüge über 90 Tage sinken um 0,10 Prozentpunkte, relativ zum Ausgangsrisiko von 1,2 Prozent um 8,3 Prozent.
Erfahrung und Ortskenntnis zählen
Die Autoren nutzen zeitlich versetzte Differenz-von-Differenzen-Schätzungen: 93,4 Prozent der 137 Führungswechsel liegen außerhalb des Ermessens des Obersten Richterrats.
Die Kontrollgruppe umfasst nur sechs Gerichte; alternative Zeitfenster bestätigen die Hauptergebnisse.
Größere Verbesserungen zeigen sich bei mindestens neun Jahre jüngeren Nachfolgern, bei einem Eintrittsalter unter 62 Jahren sowie mit Führungserfahrung und lokalen Verbindungen.
Die Kreditanalyse umfasst 1.621.320 Beobachtungen aus 27 Gerichten in vier Gerichtsbezirken.
Umschichtung statt Investitionsschub
Bei großen Firmen steigt der Anteil immaterieller Anlagen um 1,1 Prozentpunkte, der materieller sinkt um 1,2 Punkte.
Für alle Firmen findet die Studie keinen Effekt auf das gesamte Anlagevermögen.
Die Autoren verstehen Führungswechsel deshalb nicht als eigenständiges Reforminstrument.