Interne Risikomodelle lenken Bankkredite gezielt zu Unternehmen
BDI Paper

Interne Risikomodelle lenken Bankkredite gezielt zu Unternehmen

Die Einführung interner Ratingmodelle senkt die Risikogewichtung der Banken und verlagert Kredite von Staaten hin zu Großunternehmen. Wie eine Untersuchung der Banca d'Italia zeigt, verhinderte die harmonisierte SSM-Aufsicht dabei strategische Manipulationen geschwächter Institute.

Umschichtung in die Realwirtschaft

Die Analyse von Aufsichtsdaten von 124 bedeutenden Euro-Banken im Zeitraum von 2015 bis 2023 belegt, dass die Nutzung interner Ratingansätze (IRB) zu einem deutlichen Rückgang der RWA-Dichte führt.

Dieses Verhältnis von risikogewichteten Aktiva zum Standard-Risikopositionswert sinkt nach der Zulassung interner Modelle spürbar.

Allerdings nutzen Banken diesen Spielraum nicht primär zur künstlichen Optimierung ihrer Eigenkapitalquoten, sondern zur Umschichtung ihrer Portfolios.

Die Institute reduzieren ihre Engagements gegenüber Staaten sowie Zentralbanken mit Null-Risikogewichtung und weiten gleichzeitig Kredite an nicht-finanzielle Kapitalgesellschaften aus.

Von dieser Umschichtung profitieren insbesondere Großunternehmen, während kleine und mittlere Betriebe ohnehin bereits durch den regulatorischen KMU-Unterstützungsfaktor begünstigt wurden.

Aufsicht bremst Eigenkapital-Tricks

In früheren Untersuchungen aus der Zeit vor dem einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) wurde schwach kapitalisierten Banken häufig vorgeworfen, interne Modelle gezielt zur künstlichen Absenkung ihrer Risikogewichte zu missbrauchen.

Die Ergebnisse der Banca d'Italia widerlegen diese These für den Zeitraum seit 2015.

Unter der harmonisierten Aufsicht der Europäischen Zentralbank zeigen kapitalstarke Institute im Schnitt sogar höhere RWA-Dichten.

Auch bei der gezielten Modellprüfung TRIM ergaben sich keine Hinweise darauf, dass geschwächte Banken Risikogewichte stärker reduzierten als andere.

Harmonisierung schlägt Sy­stem­ma­ni­pu­la­ti­on

Die Ergebnisse entlasten europäische Banken vom Vorwurf gezielter Bilanzmanipulation durch interne Risikomodelle.

Sie belegen, dass die zentrale EZB-Aufsicht Aufsichtsarbitrage erfolgreich eingedämmt hat.

Trotz dieser positiven Bilanz erfordert die anhaltende Modellkomplexität weiterhin eine strikte Kontrolle.