Klimapolitische Forward Guidance wirkt dämpfend auf Preise
BDI Paper

Klimapolitische Forward Guidance wirkt dämpfend auf Preise

Eine neue Studie der Banca d'Italia unterscheidet zwischen aktuellen CO2-Maßnahmen und Ankündigungen zum künftigen Klimapfad. Während aktuelle Abgaben die Preise treiben, wirkt die Ankündigung verschärfter zukünftiger CO2-Pfade deflationär und dämpft das Wirtschaftswachstum.

Zwei Dimensionen der CO2-Bepreisung

Ökonomen der Banca d'Italia analysieren die makroökonomischen Effekte des EU-Emissionshandels (EU ETS) mithilfe von Hochfrequenzdaten und einem Proxy-SVAR-Modell.

Sie identifizieren zwei klar unterscheidbare Schocks: Anpassungen des aktuellen Regulierungsstands sowie Signale zum künftigen Pfad der Dekarbonisierung.

Beide Schocktypen reduzieren die Treibhausgasemissionen und die wirtschaftliche Aktivität, unterscheiden sich jedoch grundlegend in ihren Auswirkungen auf die Verbraucherpreise.

Während ein aktueller CO2-Preisanstieg die Inflation über steigende Produktionskosten antreibt, wirkt ein Pfadschock als klimapolitische Forward Guidance deflationär.

Haushalte reduzieren im Vorgriff auf künftige Einkommensverluste ihre Nachfrage, was den kostentreibenden Angebotseffekt mehr als ausgleicht.

Geldpolitik als Ab­fe­de­rungs­me­cha­nis­mus

Da ein Pfadschock sowohl die Preise als auch die Konjunktur schwächt, gerät die Zentralbank nicht in einen Zielkonflikt und reagiert mit Zinslockerungen.

Eine strukturelle Szenarioanalyse belegt die entscheidende Rolle der Geldpolitik: Ohne eine zinssenkende Reaktion der EZB fielen der Rückgang der Headline-Inflation und der Emissionen dreimal so stark aus.

Gleichzeitig verdoppelten sich die Verluste bei Industrieproduktion und Beschäftigung.

Zudem lösen Pfadschocks Umschichtungen in grüne Finanzanlagen aus und senken wahrgenommene Klimarisiken.

Forward Guidance braucht geldpolitischen Flankenschutz

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für das Zusammenspiel von Klima- und Geldpolitik.

Wer die Transformation beschleunigt, darf die deflationären Nachfrageeffekte klarer Zukunftsziele nicht unterschätzen.

Zentralbanken müssen diese Signale dekodieren, um Konjunktureinbrüche rechtzeitig durch Zinsanpassungen abzufedern.

Quelle: No. 1540 - Forward guidance in climate policy

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