Kälteschocks dämpfen Industrieproduktion und Inflation
Unerwartete Kältewellen belasten die US-Wirtschaft deutlich stärker als Hitzewellen. Laut einer Studie der Banca d'Italia senken Kälteschocks die Industrieproduktion, reduzieren die Verbraucherpreise und erhöhen die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit nachhaltig.
Asymmetrischer Klimaschock auf US-Märkten
In der Forschungsarbeit analysiert Filippo Natoli unter Verwendung täglicher Daten auf US-Landkreisebene für den Zeitraum von 1975 bis 2019 die makroökonomischen Folgen unerwarteter Temperaturschwankungen.
Während Hitzeschocks auf aggregierter Ebene kaum messbare Effekte zeigen, wirken Kälteschocks wie ausgeprägte Nachfragedämpfer.
Ein unerwarteter Kältetag pro Monat senkt die US-Industrieproduktion nach 28 Monaten um 0,27 Prozent und drückt die Verbraucherpreise um 0,12 Prozent.
Zudem sinkt der Dreimonatszins um 13 Basispunkte, was eine ausgleichende Reaktion der Geldpolitik auslöst.
Der Wirtschaftseinbruch erreicht seinen Tiefpunkt erst rund zwei Jahre nach dem Ereignis.
Einbruch bei Konsum und Investitionen
Die Ursachen für die Asymmetrie liegen in verschiedenen Übertragungskanälen.
Winterliche Kälteschocks dämpfen den Gesamtkonsum nachhaltig, während Hitze im Sommer lediglich Umschichtungen zwischen Gütern und Dienstleistungen auslöst.
Zudem lassen Kältewellen die Zahl von Katastrophen wie Schneestürmen steigen.
Dies erhöht die makroökonomische Unsicherheit, bremst Investitionen und veranlasst Firmen zu höheren Ausgaben für Klimaanpassungen.
Zudem treffen Kälteschocks vor allem einkommensstarke Regionen im Norden.
Unterschätzte Frostgefahr
Die Studie legt den Finger in eine empfindliche Lücke der aktuellen Klimadebatte.
Wer Adaptionen allein auf Hitze ausrichtet, ignoriert die makroökonomischen Gefahren extremer Kälteeinbrüche.
Die Geld- und Wirtschaftspolitik muss unerwartete Frostperioden dringend in ihren Modellen verankern.