Befristete Verträge dienen Unternehmen meist als Risikopuffer
BDI Paper

Befristete Verträge dienen Unternehmen meist als Risikopuffer

Eine neue Studie der Banca d'Italia zeigt: Rund 65 Prozent der befristeten Verträge in Italien werden als Puffer gegen wirtschaftliche Unsicherheit genutzt. Nur ein Viertel dient der Erprobung neuer Mitarbeiter, während zehn Prozent auf saisonale Schwankungen entfallen.

Drei Motive steuern die Befristung

Die Ökonomen Matteo Sartori, Marco Guido Palladino und Eliana Viviano haben Daten italienischer Unternehmen aus den Jahren 2013 bis 2017 ausgewertet.

Die Analyse von über acht Millionen Arbeitsverhältnissen zeigt, dass zwei Drittel der systematischen Nutzer befristete Verträge primär zum Auffangen von Umsatzschwankungen und geringerer Produktivität einsetzen.

Nur bei Verträgen mit einer anfänglichen Laufzeit von mindestens sechs Monaten steigt die Chance auf eine Festanstellung deutlich an – rund 21 Prozent aller befristeten Stellen werden letztlich umgewandelt.

Saisonal genutzte Verträge machen hingegen lediglich rund zehn Prozent aus und konzentrieren sich stark auf wenige Branchen wie den Tourismus.

Die anfängliche Vertragslaufzeit erweist sich dabei als zentraler Signalgeber für die eigentliche Absicht der Arbeitgeber.

Verkehrte Anreize durch starre Regeln

Der italienische Arbeitsmarkt weist eine hohe Fluktuation auf: Rund 60 Prozent aller Neueinstellungen sind befristet, während ihr Anteil am Gesamtpersonal nur elf Prozent beträgt.

Firmen nutzen Befristungen meist als Flexibilitätspuffer gegen Kündigungsschutzregeln.

Die Ökonomen warnen vor voreiligen Regulierungen.

Höhere Abgaben auf kurze Verträge könnten die Arbeitsnachfrage bremsen und vor allem produktivitätsschwachen Firmen schaden, ohne mehr Festanstellungen zu schaffen.

Flexibilität hat ihren Preis

Die Studie entlarvt das Narrativ vom befristeten Vertrag als bloßes Sprungbrett als Mythos.

Wenn zwei Drittel der Verträge nur als Risikopuffer dienen, zementiert dies prekäre Strukturen auf Kosten der Beschäftigten.

Die Politik muss Anreize für längere Erstlaufzeiten setzen, um dieser Fehlentwicklung entgegenzuwirken.

Quelle: No. 1543 - How do firms use fixed-term contracts?

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