Instabile Anlegerbasis treibt Anleihefonds zu höheren Risiken
Offene Anleihefonds mit kurzfristig orientierten Anlegern erhöhten nach Mittelabflüssen ihre Risiken, statt sie abzubauen. Das zeigt das am 20. Oktober 2026 veröffentlichte Forschungspapier Nr. 1546 der italienischen Zentralbank.
Abflüsse treiben Käufe riskanter Anleihen
Valerio Della Corte, Raffaele Gallo, Taneli Mäkinen und Francesco Palazzo untersuchen einen Liquiditätsschock durch Rückgaben italienischer Versicherer im Mai 2018.
Bei stark betroffenen Unternehmensanleihefonds mit kurzfristig geprägter Anlegerbasis sank deren Beteiligung um rund 12 Prozentpunkte; die Nettoabflüsse betrugen etwa 6,5 Prozent des Fondsvermögens.
Der Anteil kurzfristiger Anleger stieg um rund 12 Prozentpunkte.
Diese Fonds kauften aktiv Hochzinsanleihen und reduzierten sichere Anlagen.
Bei Fonds mit langfristiger Anlegerbasis sank die Versichererbeteiligung nur um etwa 4 Prozentpunkte.
Andere Versicherer und Pensionsfonds aus dem Euroraum ersetzten das Kapital weitgehend; Mittelströme und Portfolios blieben stabil.
Kapitaldruck überträgt Italiens Staatsschock
Italienische Staatsanleiheverluste senkten die Solvenzquoten der Versicherer im Schnitt um rund 35 Prozentpunkte.
Sie verkauften kapitalintensive Fondsanlagen um etwa 15 Prozent, nicht jedoch die betroffenen Staatsanleihen.
Fondsgebundene Versicherungsportfolios zeigten keine vergleichbare Anpassung.
Die Analyse verknüpft IVASS-, Morningstar- und EZB-Daten von 2017 bis 2019 und umfasst 241 Unternehmensanleihefonds mit geringer direkter Italienexposition.
Bei 230 Aktienfonds und 3.885 direkt gehaltenen Unternehmensanleihen fehlte das entsprechende Muster.
Portfolios allein erfassen Fragilität nicht
Nach Ansicht der Autoren erfassen rein anlagebezogene Liquiditätsmaße die Verwundbarkeit von Fonds nicht vollständig.
Sie empfehlen zusätzlich eine Kennzahl zur Stabilität der Anlegerbasis nach dem Vorbild der Bankenregulierung.
Rückgabekosten und Rücknahmebeschränkungen sollen Vorteile früher Ausstiege begrenzen.