Höhere Mindestlöhne stärken die Preissetzungsmacht großer Firmen
Höhere Mindestlöhne verlagern Beschäftigung zu großen Firmen, die ihre Preisaufschläge erhöhen. Das zeigen Salvatore Lo Bello und Lorenzo Pesaresi in Forschungspapier Nr. 1547 der Banca d’Italia vom 20. Oktober 2026 anhand italienischer Daten.
Lohngewinne treffen auf höhere Preisaufschläge
Kleine, weniger produktive Firmen schrumpfen oder schließen; große Firmen gewinnen Beschäftigte, Marktanteile und Preissetzungsmacht.
Im Modell sinkt die Arbeitsmarktmacht um bis zu 6,7 Prozentpunkte, während die Produktmarktmacht um bis zu 2,2 Prozentpunkte steigt.
Letztere kompensiert durchschnittlich ein Drittel des Rückgangs der Arbeitsmarktmacht.
Der wohlfahrtsoptimale Mindestlohn beträgt 70 Prozent des bisherigen Medianlohns und betrifft direkt 10 Prozent der Beschäftigten.
Die Wohlfahrt steigt konsumäquivalent um 0,8 Prozent, der Konsum um 1,2 Prozent; die Arbeitslosenquote steigt von 13,5 auf 15,1 Prozent.
Bei 89 Prozent des Medianlohns und 35 Prozent direkt Betroffenen erreicht der Konsum mit einem Plus von 2,3 Prozent sein Maximum.
Italienische Daten prüfen den Mechanismus
Die Autoren verbinden Arbeitsmarktsuchfriktionen mit oligopolistischen Produktmärkten und schätzen das Modell anhand von Daten der Sozialversicherung INPS und des Statistikamts Istat.
Es umfasst acht Branchen und zwei Qualifikationsgruppen.
Tariflohndaten von 2005 bis 2020 stützen den Konzentrationskanal: Bei produktiven Firmen in konzentrierten Märkten sinkt die Lohnquote, während Gewinne steigen.
Bei konstanten Preisaufschlägen läge das Wohlfahrtsoptimum bei 75 Prozent des Medianlohns, beträfe 15 Prozent der Beschäftigten und ergäbe 1,1 Prozent Wohlfahrtsgewinn.
Das Optimum bleibt modellgebunden
Nach den Autoren begrenzt Produktmarktmacht den Nutzen höherer Mindestlöhne.
Ihre Simulationen vergleichen stationäre Gleichgewichte und erfassen weder Übergangskosten noch langfristige Automatisierung.
Die Wohlfahrtsrechnung unterstellt zudem, dass Beschäftigte Konsumrisiken nicht durch Sparen abfedern.