Zweistufige Definition für grüne Bankkredite vorgeschlagen
Ein neues Diskussionspapier der Banca d'Italia schlägt ein vereinfachtes EU-Zweistufenmodell für grüne Kredite im Immobiliensektor vor. Die Kopplung an standardisierte Energieausweise soll bürokratische Hürden der EU-Taxonomie abbauen und die Marktfragmentierung stoppen.
Zwei Stufen gegen den Zertifikate-Dschungel
Die strenge EU-Taxonomie überfordert viele Kreditinstitute: Nach Erhebungen der EBA wenden 50 von 83 befragten Banken eigene Standards für grüne Finanzierungen an.
Die Autoren Valeria Lionetti, Tommaso Loizzo, Ludovico Ridi und Federico Schimperna schlagen daher ein zweistufiges Modell vor.
Neben der vollen Taxonomie-Konformität (Tier
1) soll ein vereinfachter, leistungsorientierter Standard (Tier
2) treten.
Für Neubauten und Käufe genügen die besten zwei Klassen nationaler Energieausweise (in der Regel A oder B) oder ein Primärenergiebedarf von mindestens 10 Prozent unter dem Niedrigstenergiegebäude-Standard.
Bei Sanierungen reichen eine Reduktion des Primärenergiebedarfs um 30 Prozent oder der Aufstieg um eine Energieklasse.
Geringeres Ausfallrisiko bei grünen Gebäuden
Immobilien verursachen rund 40 Prozent des EU-Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO₂-Emissionen.
Grüne Hypotheken machen bereits 11 bis 12 Prozent des Neugeschäfts mit privaten Haushalten aus, doch nur 14 Prozent der Banken teilen Daten zu Energieeffizienzklassen – aus Furcht vor Greenwashing-Vorwürfen.
Eine einheitliche Definition ist auch für das Risikomanagement zentral: Energieeffiziente Gebäude weisen nachweislich geringere Kreditausfallraten auf.
Pragmatismus schlägt Perfektionismus
Der Vorschlag bricht mit dem Dogma, dass nur lückenlose Taxonomie-Konformität als nachhaltig gelten darf.
Ohne vereinfachte Kriterien wie Energieausweise bleibt der Markt in unregulierten Insellösungen gefangen.
Mehr Pragmatismus ist zwingend nötig, um private Sanierungen endlich in der Breite zu finanzieren.