Einaudis Weichenstellungen für Italiens Nachkriegs-Geldpolitik
Eine historische Analyse der Banca d’Italia untersucht die Amtszeit von Gouverneur Luigi Einaudi von 1945 bis 1948. Die Autoren beleuchten Einaudis Strategie zur Rückgewinnung der Notenbankautonomie, die Bekämpfung der Nachkriegsinflation sowie Italiens internationale Wiedereingliederung.
Vollmachten, Aufsicht und das Ende der Staatsfinanzierung
Luigi Einaudi übernahm am 5. Januar 1945 die Führung der Banca d’Italia mit umfassenden Vollmachten.
Die Studie von Pier Francesco Asso und Marcello Messori zeigt, wie Einaudi die institutionelle Autonomie der Notenbank gegenüber dem Schatzamt durchsetzte.
Bereits im März 1945 stoppte er die außerordentlichen Staatsvorschüsse und begrenzte die Notenpresse zur Defizitdeckung.
Zudem reformierte die Bank die Aufsicht: Einaudi hob den seit 1938 geltenden Filialstopp auf, womit die Zahl bankfähiger Gemeinden von 3.680 auf 3.961 stieg.
Bei der Neuordnung der Industriekredite setzte die Notenbank auf eine strikte Trennung vom Einlagengeschäft und regulierte neue Institute wie Mediobanca und Centrobanca.
Geldabschöpfung und die Rückkehr auf das Weltparkett
Die geldpolitische Sanierung stützte sich auf zwei Staatsanleihen: Während die Befreiungsanleihe 1945 rund 106 Milliarden Lire Liquidität abschöpfte, erwies sich die 30-jährige Wiederaufbauanleihe 1946 trotz 231 Milliarden Lire Zeichnung wegen hoher Inflation als Fehlschlag und musste im April 1947 restrukturiert werden.
Außenwirtschaftlich sicherte die Notenbank 1946 Italiens Beitritt zu Bretton Woods mit einer Quote von 180 Millionen Dollar.
Zudem gelang die Restrukturierung der Vorkriegsschulden über 136 Millionen Dollar und die Rückgewinnung von 23 Tonnen Gold.
Pragmatismus schlägt Doktrin
Die Untersuchung demontiert den Mythos des rein marktliberalen Dogmatikers Luigi Einaudi.
Sein Erfolg beruhte vielmehr auf planvollem Pragmatismus, der ordnungspolitische Prinzipien den harten Realitäten des Nachkriegsaufbaus unterordnete.
Für heutige Notenbanken bleibt dies ein Lehrstück über die Grenzen theoretischer Reinheit in Krisenzeiten.