Italiens Bankenkrisen 1970 bis 1996 erforderten 256 Sonderverfahren
Zwischen 1970 und 1996 leiteten die italienischen Behörden 256 formelle Verfahren gegen kriselnde Banken ein, darunter 177 Sonderverwaltungen und 79 Zwangsliquidationen. Eine Studie der Banca d'Italia weist nach, dass die Kosten für den Staatshaushalt im internationalen Vergleich gering blieben.
Bruch der Stabilität und 256 Krisenverfahren
Mit dem Beginn der 1970er-Jahre endete im italienischen Bankenwesen die Nachkriegsphase relativer Stabilität.
Zwischen 1970 und 1996 führten die Aufsichtsbehörden 256 formelle Zwangsmaßnahmen durch.
Den Schwerpunkt bildeten 177 Sonderverwaltungen, was einem Anteil von 69 Prozent entspricht, sowie 79 administrative Zwangsliquidationen.
In 55 Prozent der Fälle führten schwere Unregelmäßigkeiten in der Geschäftsführung kombiniert mit massiven Eigenkapitalverlusten zu den Eingriffen.
Besonders betroffen waren kleinere Institute: Auf ländliche Spar- und Handwerkerkassen entfielen 99 Sonderverwaltungen und 44 Liquidationen.
Regional konzentrierte sich das Geschehen auf den Süden und die Inseln, auf die 55 Prozent der Sonderverwaltungen und 63 Prozent der Abwicklungen entfielen.
Vom Sindona-Dekret zum Einlagensicherungsfonds
Das Krisenmanagement stützte sich lange auf das Dekret vom 27. September 1974, das der Banca d'Italia erlaubte, übernehmenden Instituten Sonderkredite zum Vorzugszins von 1,0 Prozent zu gewähren.
Nach dem Zusammenbruch des Banco Ambrosiano 1982 verlagerte sich die Lastenteilung: 1987 entstand der freiwillige Einlagensicherungsfonds FITD mit einem Rahmen von 4.000 Milliarden Lire.
In den 1990er-Jahren verschärfte die Rezession die Lage der Süd-Banken, deren notleidende Kredite 1996 eine Quote von 24 Prozent erreichten.
Erfolgreiche Schadensbegrenzung mit Schönheitsfehlern
Italiens Notenbank verhinderte systemische Flächenbrände über Jahrzehnte pragmatisch durch gelenkte Übernahmen.
Die geringen Fiskalkosten von 0,5 Prozent des BIP verdecken jedoch die Belastung gesunder Banken, die als Retter einspringen mussten.
Stabilität wurde so auf Kosten moderner Marktstrukturen erkauft.